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Eine Prinzessin vor Gericht

Das teure Leben von Cristina empört viele Spanier. Wegen Geldwäsche ist sie nun angeklagt

Noch nicht einmal eine Woche ist seit der prunkvollen Krönung von Spaniens neuem König Felipe VI. verstrichen, da wird das Staatsoberhaupt auch schon mit der Realität konfrontiert. Seiner älteren Schwester, Prinzessin Cristina Federica Victoria Antonia de Borbón y Grecia, 49, soll nun doch der Prozess wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche gemacht werden. Das kündigte der spanische Ermittlungsrichter José Castro an, der keinerlei Zweifel an Cristinas Mitschuld an den dunklen Geschäften ihres Gatten Iñaki Urdangarín hegt.

60.000 Aktenseiten gesammelt

Der fast zwei Meter große frühere Basketballer und einstige Olympionik soll sich viele Jahre lang den guten Namen des Königshauses zunutze gemacht und über eine angeblich gemeinnützige Stiftung namens Nóos Gelder in Millionenhöhe unterschlagen haben, Cristina war offenbar im Bilde, denn ein Teil dieser Gelder landete bei der Beratungsfirma Aizoon, an der sie und ihr Mann zu je 50 Prozent beteiligt waren. Damit finanzierte das Paar ein Luxusleben, das es sich mit seinen legalen Einkünften in jener Zeit wohl kaum hätte leisten können.

Mehr als vier Jahre zieht sich der „Fall Nóos“ schon hin, Ermittlungsbeamte haben fast 60.000 Aktenseiten in 62 Bänden zusammengetragen, doch getan hat sich wenig, zumal Cristina bei ihrer Vernehmung im Februar dieses Jahres die Ahnungslose spielte, die dem Ehemann blind vertraute. „Ich unterschrieb alles, was er mir gab“, sagte sie damals. Castro, ein bescheidener Richter aus Mallorca, der mit der Vespa zum Arbeitsplatz fährt und mit diesem Fall betraut ist, nimmt der Infantin das nicht ab. „Die Indizienlage spricht eindeutig dafür, dass Cristina beteiligt war und einen persönlichen finanziellen Nutzen aus den Delikten zog“, heißt es in seinem neuen Ermittlungsbericht, der als Grundlage für einen Prozess dienen soll.

Wie sehr die Prinzessin jahrelang von den Betrügereien profitierte, ist tatsächlich unbestritten. Bis heute ist das Luxusleben der Prinzessin eines der Lieblingsthemen von Spaniens Hochglanzmagazinen. Erst im April etwa gönnte sie sich zusammen mit dem Gatten eine romantische Reise nach Berlin ohne die vier Kinder. Dabei residierte man ganz standesgemäß im „Hotel Adlon Kempinski“.

Zum Abendessen ging das Paar ins Edelrestaurant „Borchardt“, der zu den diversen Gängen kredenzte Wein war natürlich ein Rioja. Cristina hat offenbar Gefallen an Kurzreisen in Europas Metropolen gefunden. Das neue Jahr begrüßte sie mit der ganzen Familie im Hotel Intercontinental „Paris le Grand“, das Silvestermenü – es gab unter anderem mit Kaviar gefüllte Krebse – schlug mit 495 Euro pro Kopf zu Buche.

Es ist offenbar tröstlich für Cristina, am alten Lebensstil festzuhalten. So kommt sie leichter darüber hinweg, dass sie sich im Königshaus in Madrid nicht mehr blicken lassen darf und auch der Krönung Felipes fernbleiben musste. Die Luxusvilla in Barcelona wurde gegen eine fast ebenso schicke Dachgeschosswohnung in der Altstadt von Genf eingetauscht, in exklusiver Wohnlage versteht sich, UN-Generalsekretär Kofi Annan wohnt nicht weit weg. Die Miete für das Duplex, 190.000 Euro im Jahr, zahlt die Prinzessin offenbar ohne Mühe.

Möbel, Trainer, Hotels

Offiziell arbeitet sie bei der Kulturstiftung der Sparkasse La Caixa bei einem Jahressalär von 320.000 Euro, weitere 300.000 schießt die Aga-Khan-Stiftung, deren Vorsitzender ein enger Freund des Vaters ist, hinzu. Die Sprösslinge gehen auf teure Privatschulen, Kostenpunkt 120.000 Euro. Unklar ist, ob die 72 Luxusmöbel, darunter zwölf lederne Massai-Stühle, die mit den Geldern von Aizoon bezahlt wurden, im neuen Domizil Platz fanden.

Die berühmte Visa Gold-Karte, die auf die gleiche Scheinfirma lief, kommt jedenfalls vorerst nicht mehr zum Einsatz. Damit zahlte die Prinzessin so unterschiedliche Dinge wie Hotels rund um den Globus, eine Safari und einen eigenen Trainer, der Cristina und Iñaki in die Kunst des freien Sprechens einführen sollte. Angesichts der Höhe der veruntreuten öffentlichen Gelder – rund sechs Millionen Euro – wirkt das Angebot von Iñaki, 300.000 Euro nicht deklarierte Steuern an das Finanzamt abzuführen, sofern er dann des Vorwurfs der Steuerhinterziehung entbunden wird, wie eine Farce.

„Diese Leute sind sich nicht bewusst, welchen Schaden sie dem Königshaus zufügen“, sagt Carmen Enriquez, Autorin von drei Büchern zur spanischen Monarchie. Selbst Juan Carlos hatte in einer seiner letzten Ansprachen deutlich gemacht, dass die Justiz für alle gleich ist. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. In wenigen Tagen dürfte die Generalstaatsanwaltschaft, die der Prinzessin schon mehrmals zur Hilfe eilte, Einspruch erheben, um der Nummer sechs in Spaniens Thronfolge einen unangenehmen Prozess zu ersparen.

Für die Spanier wie etwa die Lehrerin Beatriz Simó bleibt nur Empörung. „Wir haben genug von der royalen Verschwendungssucht, es wäre auch gut, wenn mit den Privilegien einmal Schluss wäre. Doch ich glaube nicht, dass wir in diesem Land jemals ein Mitglied der Königsfamilie hinter Gittern sehen werden.“