Fluggesellschaften

Zu klein zum Fliegen

Gericht weist Klage einer Frau ab, die nicht Pilotin werden darf – und kritisiert die Lufthansa

Mit einer Mindestgröße von 165 Zentimetern für Piloten diskriminiert die Lufthansa laut einem Gerichtsurteil Frauen. Das Argument, diese Größe sei notwendig, um eine Maschine sicher steuern zu können, überzeugte das Landesarbeitsgericht Köln am Mittwoch nicht. Das Gericht verwies darauf, dass Gesellschaften wie Swissair und KLM deutlich kleinere Piloten akzeptierten.

Dennoch wies das Gericht die Klage einer für die Pilotenausbildung abgelehnten Frau auf Entschädigung zurück. Ihr sei dadurch kein materieller Schaden entstanden, meinte das Gericht, wobei es einräumte, dass dies „sicherlich eine schwierige juristische Frage“ sei. Die Klägerin berief sich bei ihrer Forderung nach 135.000 Euro Schadensersatz und Entschädigung unter anderem auf europäisches Recht.

Die Lufthansa hatte die Abweisung der jungen Frau damit begründet, dass sie mit einer Körpergröße von 161,5 Zentimetern 3,5 Zentimeter zu klein sei, um das Flugzeug sicher steuern zu können. Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty sagte jedoch nach dem Urteil, es sei bedauerlich, wenn Frauen, die ansonsten geeignet wären, nur aufgrund ihrer Körpergröße abgewiesen würden. „Es kann schon sein, dass wir uns mit den Tarifpartnern da nochmal zusammensetzen“, sagte er. Das Mindestmaß ist im Tarifvertrag festgelegt: „Ich kann mir schon vorstellen, dass wir dieses Detail nochmal aufnehmen.“

Es war bei der Verhandlung am Mittwoch auffällig, dass der Vorsitzende Richter Jochen Sievers an der Argumentation der Lufthansa kaum ein gutes Haar ließ. Vielleicht helfe es ja, einfach ein Kissen unterzuschieben, regte er an. „Wenn andere Fluggesellschaften die Flugsicherheit nicht gefährdet sehen, dann stellt sich natürlich die Frage, warum das bei der Lufthansa so sein soll.“ In seiner Urteilsbegründung sagte Sievers: „Wir sehen eine mittelbare Diskriminierung. Man kann sagen, dass fast 40 Prozent der Frauen ausgeschlossen werden.“ Denn Frauen seien im Durchschnitt nun einmal deutlich kleiner als Männer. Eine Entschädigung für die Klägerin sei nach geltendem Recht dennoch nicht möglich. Das Landesarbeitsgericht bestätigte damit ein Urteil aus erster Instanz.

Möglicherweise ist der Rechtsstreit noch nicht zu Ende: Revision zum Bundesarbeitsgericht in Erfurt wurde zugelassen. Richter Sievers verabschiedete sich mit den Worten: „Wir warten gespannt darauf, was uns in zwei Jahren Erfurt dazu sagen wird – wenn Sie Revision einlegen!“ Ob das so sein wird, muss die Klägerin noch entscheiden. Wie ihr Anwalt sagte, will sie nun vielleicht eine Pilotenausbildung bei Swissair machen.

Nicht immer spielt für Arbeitgeber auf Personalsuche nur die fachliche Qualifikation eine Rolle. Bewerber können aus vielen Gründen scheitern. Doch welche Ablehnungsgründe sind juristisch erlaubt? Grundsätzlich dürfen Arbeitgeber nach dem Aussehen aussieben – ganz gleich ob es um eine Stelle als Gabelstapelfahrer oder um einen Posten in einer noblen Steuerkanzlei geht. Trotzdem dürfte der Personaler Größe, Gewicht oder Optik kaum offen als Ablehnungsgrund anführen, um sich rechtlich abzusichern. „Solange er sich bedeckt hält, ist er aus dem Schneider“, sagt die Stuttgarter Arbeitsrechtlerin Sandra Flämig. Deshalb stehen im Absageschreiben meist leere Standardphrasen.