Gewalt

Mord an einem ungeborenen Baby

Ein US-Fall heizt die Debatte darüber an, wann das Leben beginnt

Wenn eine schwangere Frau nach einem Verbrechen eine Fehlgeburt erleidet, ist der Täter dann auch ein Mörder? Ein erschütternder Fall in Oklahoma City sorgt jetzt erneut für Diskussionen über die gerechte Bestrafung in solchen Fällen.

Dort hatte der wegen schwerer Körperverletzung mehrfach vorbestrafte Christopher Whitfield seine ehemalige Freundin und die gemeinsamen Söhne, drei und acht Jahre alt, mehrere Tage in ihrem Haus festgehalten. Der Täter hatte die zwei Kinder mit vorgehaltener Waffe in einem Kellerraum eingeschlossen und ihnen gedroht, die Mutter umzubringen, falls sie versuchten, zu flüchten oder die Polizei anzurufen. Sie konnten hören, was dann folgte.

Der Täter sperrte die Frau in das Schlafzimmer im Erdgeschoss ein. Sie war in der sechsten Woche schwanger und bekam nur Wasser, aber nichts zu essen. Dann schlug der Mann die Frau immer wieder mit einem Gürtel und einem Paar Sandalen und vergewaltigte sie mehrfach.

Drei Tage dauerte die Tortur. Erst als die Familie der Frau nach zahlreichen vergeblichen Versuchen, sie telefonisch zu erreichen, vorbeischaute, war das Drama für sie beendet. Whitfield bedrohte den Vater der Frau noch mit seiner Waffe und flüchtete dann mit dem Wagen seines Opfers. Die Polizei in Oklahoma sowie in den angrenzenden Bundesstaaten riefen eine Großfahndung nach dem Flüchtling aus.

Die Frau, die innere Verletzungen erlitten hatte, konnte in den ersten beiden Tagen nicht sprechen und daher auch keine Aussage machen. Ihr acht Jahre alter Sohn aber hatte gegenüber der Polizei den Ex-Freund als Täter identifizieren und detailliert über die schlimmen Ereignisse berichten können. Der Junge blieb wie sein jüngerer Bruder unverletzt.

Fehlgeburt nach drei Tagen

Die schwerverletzte alleinerziehende Mutter überlebte, genauso wie zunächst auch das ungeborene Baby. Die Ärzte konnten die Herztöne des Fötus nicht nur hören, sondern bei einer Ultraschalluntersuchung auch sehen. Das war am 13. Juni, einen Tag nach der Befreiung der Frau. Drei Tage später waren die Herztöne verschwunden. Die Frau hatte eine Fehlgeburt erlitten.

„Wenn eine Frau ihr Baby verliert, weil sie misshandelt und vergewaltigt wurde, ist das in den Augen des Gesetzes ein Mord“, sagte Polizeisprecher Gary Knight. Auf der Facebook-Seite der Polizeistation wurde inzwischen ein Fahndungsfoto von Whitfield veröffentlicht. „Der Täter ist ein Mörder und wird dafür auch angeklagt.“

Doch nicht in allen US-Bundesstaaten ist das Gesetz so eindeutig wie in Oklahoma. Würde die Frau zum Beispiel in New York, New Jersey oder Connecticut leben, würde dem Täter keine Mordanklage drohen. Denn dort gibt es, wie in insgesamt elf Staaten des Landes, kein entsprechendes Gesetz, das in einem solchen Fall greifen würde. Die übrigen Bundesstaaten dagegen haben ein Gesetz, dass ausdrücklich den „Mord an einem Fötus“ unter Strafe stellt. Oklahoma ist einer davon, dort beginnt das „Leben“ – wie in 23 US-Bundesstaaten – „bereits mit der Zeugung“.

Whitfield wird nicht nur wegen Mordes gesucht. Er soll auch wegen Kidnapping, schwerer Körperverletzung und Vergewaltigung angeklagt werden. Bei einer Verurteilung droht ihm im schlimmsten Fall die Giftspritze.