Justiz

Berlusconi drohen zehn Jahre Hausarrest

Zweite Runde im „Bunga-Bunga“-Prozess hat begonnen. Urteil im Juli

Er ist rechtskräftig verurteilt, musste den Senat verlassen und leistet Sozialdienst. Dann verlor Silvio Berlusconi Ende Mai die Europawahl. Und nun könnten noch weitere Härten auf ihn zukommen. Seit Freitag muss sich der ehemalige italienische Regierungschef in der sogenannten „Ruby“-Affäre verantworten. Dem 77-Jährigen werden Amtsmissbrauch und Sex mit minderjährigen Prostituierten bei wilden „Bunga-Bunga“-Festen in seiner Villa Arcore bei Mailand vorgeworfen.

Im Mittelpunkt steht die junge Marokkanerin Karima el-Mahroug alias „Ruby Rubacuori“ (Ruby Herzensbrecherin). Es wird ein kurzer Prozess: Bereits am 18. Juli zieht sich die Kammer zur Urteilsberatung zurück. Eine Woche zuvor plädiert die Anklage, wurde im Gericht vereinbart.

In erster Instanz war Berlusconi vor einem Jahr zu sieben Jahren Haft ohne Bewährung und zu einem lebenslangen Verbot öffentlicher Ämter verurteilt worden. Sollte er auch in der zweiten Instanz verurteilt werden, bleibt ihm noch der Gang vor das Kassationsgericht in Rom.

Bei einer definitiven Verurteilung drohen ihm Medienberichten zufolge zehn Jahre Hausarrest, da auch die Amnestie und Vergünstigungen nach dem Mediaset-Korruptionsurteil gegen ihn dann wegfallen könnten.

Der angeklagte Politiker und Medienzar kam nicht zur Eröffnung seines Prozesses. Wegen rechtskräftiger Verurteilung im Mediaset-Verfahren muss Berlusconi immer am Freitag in einem Seniorenheim bei Mailand vier Stunden Sozialdienst bei Alzheimer-Kranken leisten – so auch an diesem Freitag, dem siebten Tag seines Dienstes an der Gemeinschaft.

Berlusconi werde im Gerichtssaal anwesend sein, „falls seine Präsenz notwendig sein wird“, sagte sein Verteidiger Franco Coppi am Freitag in einer Verhandlungspause. Berlusconis Anwälte erwogen Coppis Angaben zufolge nicht, eine Verlegung des Prozesses zu beantragen. Berlusconi fühlt sich seit langem von der Mailänder Justiz „verfolgt“. Erst am Donnerstag hatte er die Justiz einmal mehr als „unkontrollierbar und unverantwortlich“ kritisiert.

Verfahrensfragen eröffneten den zweiten „Ruby“-Prozess. Die Kammer unter dem Vorsitzenden Richter Enrico Tranfa entschied dabei, dass Fotografen und TV-Kameras erst bei der Urteilsverkündung im Juli im Gerichtssaal des Mailänder Justizpalastes zugelassen werden sollen.

Es sieht nach einem Spätherbst des Patriarchen aus. „Berlusconi ist vom Radar der Politik verschwunden“, meint zumindest die linksliberale römische „La Repubblica“, traditionelle Speerspitze seiner Gegner. Es sind andere, die in seiner Partei Forza Italia nach politischen Überlebensstrategien suchen. Öfter ist von Tochter Marina als Nachfolgerin an der Spitze der FI die Rede, doch sie ziert sich noch.