USA

Blinder Passagier nahm erstes Flugzeug Richtung Westen

Als blinder Passagier kauerte er stundenlang bei Eiseskälte im Fahrwerk eines kalifornischen Flugzeugs – jetzt hat sich Yahye Abdi, 15, erstmals in einem Interview geäußert. „Ich nahm dieses Flugzeug, weil es das nächste war, das ich finden konnte, das in Richtung Westen flog“, sagte der Teenager dem US-Sender „KPIX 5“. Nach eigenen Angaben hatte der Junge versucht, zu seiner Mutter nach Afrika zu fliegen.

Er war im April von zu Hause weggelaufen und auf dem Flughafen im kalifornischen San José über einen Zaun geklettert. Dann versteckte er sich im Fahrwerkschacht des Jumbo-Jets in Richtung Hawaii. Er habe sich die Ohren zugehalten, als die Maschine abhob, sagte der Jugendliche: „Durch die kleinen Löcher konnte ich sehen, dass das Flugzeug über den Wolken war.“ Abdi überlebte den fast sechsstündigen Flug über den Pazifik trotz Sauerstoffmangels und Temperaturen von bis zu minus 45 Grad. Er wurde erst nach der Landung am hawaiianischen Flughafen Kahului entdeckt. Seitdem lebt er in Hawaii in einer Pflegefamilie. Sein Trip löste eine Diskussion in den USA über die Überwachung von Flughäfen aus. Wie gut sind die Maschinen gegen Terroristen geschützt, ist die Frage.

Dass blinde Passagiere Flüge im Radschacht eines Flugzeuges überleben, ist selten, kommt aber gelegentlich vor. Seit 1947 gab es laut US-Flugüberwachungsbehörde FAA (Federal Aviation Administration) 94 Fälle weltweit, bei denen 105 blinde Passagiere eine solche Reisegelegenheit wahrnahmen. Von diesen starben 80, 25 überlebten. Der letzte bekannte blinde Passagier, der überlebte, wurde im August 2013 auf einem Flug innerhalb Nigerias festgestellt. Den letzten bekannten Todesfall gab es im Februar 2014 auf dem Internationalen Flughafen Dulles (Washington D.C.). Die Maschine war im Johannesburg am 12. Februar 2014 gestartet, über Dakkar in Senegal geflogen und am 14. Februar in Dulles gelandet.