Gewalt

Aus Rache zu Tode geprügelt

Mann soll eine Frau vergewaltigt haben. Täter greifen zur Selbstjustiz

In Baden-Württemberg ist ein mutmaßlicher Vergewaltiger offenbar von einer Gruppe von Männern totgeprügelt worden, zu der auch Angehörige des Opfers gehörten. „Auf den Tatverdächtigen wurde mit massiver körperlicher Gewalt eingewirkt“, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Freiburg am Donnerstag.

Die Tat ereignete sich am Mittwochabend auf einem Pendlerparkplatz in Neuenburg an der französischen Grenze. Französische Rettungskräfte hatten vergebens versucht, den Mann am Tatort wiederzubeleben.

Vier Tatverdächtige, darunter zwei Familienangehörige und zwei Bekannte des Opfers, wurden noch am Abend des Überfalls festgenommen. Nach Angaben der Polizeisprecherin wurden sie am Donnerstag vernommen und sollten dem Haftrichter vorgeführt werden. Unklar war demnach noch, ob das Zusammentreffen auf dem Parkplatz Zufall oder geplant war. Auch in welchem Umfang die einzelnen Verdächtigen an der Tat beteiligt waren, war bisher noch offen. Daher wollte die Polizeisprecherin auch nicht den Begriff „Lynchjustiz“ oder „Selbstjustiz“ verwenden. Ebenso unklar war noch, wie genau der Mann zu Tode kam. Von der Obduktion erwarteten die Ermittler weitere Erkenntnisse. Der Getötete soll die junge Frau aus dem Markgräflerland im äußersten Südwesten Deutschlands am 12. Juni in Müllheim vergewaltigt haben. Die beiden kannten sich. Gegen den Tatverdächtigen war ein Haftbefehl von der Staatsanwaltschaft Freiburg erlassen worden. Der Mann war seit der Tat aber auf der Flucht.

Um das Geschehen auf dem Pendlerparkplatz zu klären, wollten die Ermittler weitere Spuren auswerten. Zudem bitten sie Zeugen, sich bei der Polizei zu melden. Für die Bestrafung von Verbrechern sind die Gerichte zuständig. Doch manchmal greifen Menschen dennoch zur Selbstjustiz. So wurden im Januar 2014 im Frankfurter Gerichtsviertel zwei Männer getötet. Der Täter gibt als Motiv Rache für seinen toten Bruder an. Er habe von den Gerichten keine Gerechtigkeit erwartet. Der Bruder war 2007 im Streit um einen Parkplatz erstochen worden.

Im Juni des Jahres 2009 entführte ein Rentner seinen Vermögensberater aus Speyer an den Chiemsee und hält ihn tagelang im Keller seines Hauses gefangen. Er fühlte sich um rund 2,4 Millionen Euro geprellt. Im Prozess vor dem Landgericht Traunstein gegen ihn spricht der Richter von einem „spektakulären und aufsehenerregenden Fall der Selbstjustiz“. Ein Russe, der im Juli 2002 bei der Flugzeugkatastrophe von Überlingen seine Frau und seine beiden Kinder verlor, ersticht im Februar 2004 einen Mitarbeiter der Schweizer Flugsicherung Skyguide. Er hatte in dem Flugverkehrsleiter, der in der Unglücksnacht allein im Zürcher Kontrollzentrum im Einsatz war, den Hauptschuldigen der Tragödie gesehen. Und im März 1981 erschießt Gastwirtin Marianne Bachmeier in einem Lübecker Gerichtssaal den mutmaßlichen Mörder ihrer siebenjährigen Tochter.