Tradition

Ein Herz für Hunde

In Chinas Mittelstand regt sich Widerstand gegen das traditionelle Verzehren der Tiere

Nichts fürchten Züchter und Liebhaber von Hunden in China mehr als den Beginn von „Xiazhi“, der Zeit der Sommersonnenwende. Dann nämlich startet in Yulin, einer Metropole mit sechs Millionen Einwohnern im Südwesten des Landes, ein buntes, zweiwöchiges Folklorefest rund um die Litschi-Frucht. Das wäre nicht weiter tragisch, wenn zur Feier nicht auch noch Hund aufgetischt würde – und zwar in allen Varianten, ob gegrillt, gekocht, in Suppe oder gesotten.

Was noch vor wenigen Jahren als „regionale Delikatesse“ Festbesucher aus dem ganzen Land anlockte, wird heute von immer mehr Chinesen als „Barbarei“ gebrandmarkt und verabscheut. „Essfestival für Hundefleisch – Wo ist die Grenze?“, titelte jüngst die „Beijing News“. Die Wut chinesischer Tierschutzvereine und Haustierbesitzer, die heute mit Millionen Hunden als innig geliebte Weggefährten leben, alarmierte nun auch Yulins Behörden. Sie riefen die Betreiber einschlägiger Restaurants, Imbisse und anderer Kaschemmen zur Operation „Verstecken“ auf, um die Öffentlichkeit nicht weiter zu provozieren und den sozialen Frieden zu wahren.

Dabei hat Hundefleisch in China eine Jahrtausende alte Tradition. Schon vor 2000 Jahren sollen die Kaiser Hundefleisch gegessen haben. Das Kilogramm ist bereits für etwa 50 Yuan (rund sechs Euro) erhältlich. Einige Kritiker glauben, dass auch der günstige Preis dazu führt, dass Hungrige nicht auf das Fleisch verzichten wollen oder können. Bislang hatten die auf „Gou Rou“ (Hundefleisch) spezialisierten Küchen ihre Angebote für das Festival unter offensichtlichen Namen bestenfalls kaschiert. Das reiche nicht mehr aus, glauben die Behörden und raten zur Vorsicht. Weder sollten die Hunde weiter auf der Straße geschlachtet werden oder an Haken hängen, noch sollten Worte oder Umschreibungen für Hund in Werbung oder Speisekarten auftauchen.

Die Besitzerin eines der Hundefleischrestaurants schildert, was passiert, wenn die Restaurants nicht auf diesen Rat der Behörden eingehen. Frau Ning, deren Handynummer ins Internet gelangte, klagte bei der Zeitung darüber, von Fremden terrorisiert zu werden. Kurznachrichten aus dem ganzen Land warnten sie davor, den „Freund und Helfer der Menschheit“ weiter grausam zu töten. Sonst könnte ihrer Familie etwas passieren. Militante Tierschutzaktivisten sind in China die Ausnahme. Widerstand gegen die in Verruf geratene Unsitte kommt vor allem vom Mittelstand in den großen Städten. Allein in Peking wurden 2009 mehr als eine Million Hunde als Haustiere gehalten.Verboten ist das Essen von Hundefleisch allerdings nicht.