Wetter

„Ela“ verwüstet Nordrhein-Westfalen

Sechs Menschen sterben bei dem schlimmsten Unwetter seit 20 Jahren. Das Ruhrgebiet wird weitgehend lahmgelegt

Eines der schwersten Unwetter der vergangenen Jahre mit mindestens sechs Toten hat die fröhliche Sommerstimmung in Teilen Deutschlands abrupt beendet. Tief „Ela“ hinterließ vor allem in Nordrhein-Westfalen eine Spur der Verwüstung, aber auch in Niedersachsen kam es zu Sachschäden. In fast allen Regionen Deutschlands drohen erneut heftige Gewitter: „Dabei kann es schweren Hagelschlag, heftigen Starkregen und orkanartige Böen oder Orkanböen geben“, hieß es in der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für die Zeit bis Mittwochvormittag. Ausgenommen seien „höchstens“ der Südosten und der äußerste Nordwesten Deutschlands.

Wie eine Walze rollte das Unwetter mit Starkregen und Hagel am Montagabend über Nordrhein-Westfalen. Es war das schlimmste Unwetter seit Orkan „Kyrill“ im Januar 2007 – damals starben 47 Menschen in Europa. Tief „Ela“ hinterließ nun nach ersten Schätzungen des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (SPD) Schäden in zweistelliger Millionenhöhe. Die Polizei rückte in Nordrhein-Westfalen zu fast 5000 Einsätzen in der Nacht aus. 30 Menschen seien schwer und 37 leicht verletzt worden, bilanzierte die Polizei.

Bäume stürzten um und rissen Ampelmasten und Stromleitungen ab oder begruben Autos unter sich. Wassermassen überfluteten viele Straßen. Erst in der Nacht zum Dienstag beruhigte sich der Himmel – das Gewitter zog weiter Richtung Nordosten. Wegen herabfallender Äste und umherfliegender Trümmerteile war mancherorts auch am Dienstag kein Durchkommen. Beschäftigte hatten Mühe, zur Arbeit zu kommen. Züge und Straßenbahnen konnten nicht fahren. Einige der Fernstraßen waren gesperrt. In mehreren Städten forderten die Behörden die Bevölkerung auf, möglichst zu Hause zu bleiben.

Kachelmann greift WDR an

In Düsseldorf starben drei Menschen, als eine große Pappel auf eine Gartenlaube stürzte, in der sie Zuflucht gesucht hatten. In Krefeld kam ein Radfahrer durch einen Stromschlag ums Leben. Ein Baum beschädigte eine Stromleitung, die den 28-Jährigen traf. Auch in Köln starb ein Radfahrer: Eine etwa 20 Meter hohe Buche stürzte auf ihn. In Essen kam ein Mann ums Leben, als er kurz vor Mitternacht die Fahrbahn räumen wollte. Nach Angaben der Feuerwehr brach er plötzlich zusammen.

Die Deutsche Bahn unterbrach vorsorglich ihren Nah- und Fernverkehr im Rheinland. Am Dienstagabend waren noch die beiden Ost-West-Verbindungen Dortmund–Essen–Düsseldorf–Köln und Dortmund–Gelsenkirchen–Duisburg gesperrt. Ein Notverkehr mit Bussen war der Bahn zufolge wegen zahlreicher Straßenschäden nur begrenzt möglich. Genaue Informationen zur Lage gibt es unter der kostenlosen Telefonnummer 08000996633.

In der Zoo-Erlebniswelt Gelsenkirchen wurde ein Pandabär vermisst. Die Anlage der Tiere war bei dem Unwetter vollständig zerstört worden. Während ein Weibchen wieder eingefangen werden konnte, blieb die Suche nach dem Männchen bis zum Dienstagnachmittag erfolglos.

Der Meteorologe Jörg Kachelmann, der früher Wettervorhersagen für die ARD machte, erhob in seinem Blog im Internet schwere Vorwürfe gegen den WDR und forderte dessen Intendanten Tom Buhrow zum Rücktritt auf. „Sie und Ihr Sender taten offenbar auch nichts, als sich nach 19 Uhr über Belgien und den Niederlanden eine zusammenhängende Unwetterlinie gebildet hatte“, schrieb Kachelmann. „Durch Ihr Nichtstun sind Sie mitverantwortlich, dass Menschen verletzt und getötet wurden.“

Der Sender bestreitet die Vorwürfe. „Der WDR hat am Pfingstmontag ab sechs Uhr morgens durchgehend Unwetterwarnungen und Schlechtwetterprognosen gemeldet“, sagte Kristina Bausch. „Die Unwetterwarnungen, die WDR-Radios vom Deutschen Wetterdienst vorlagen, haben wir wie üblich in allen Nachrichtensendungen übernommen.“ Zudem habe es ab dem Vormittag auch auf der Internetseite wdr.de eine Unwetterwarnung und entsprechende Meldungen über den Kurznachrichtendienst Twitter gegeben.