Kriminalität

Entführung nur eine Erfindung?

Der 42-jährige mutmaßliche Täter bestreitet die Vorwürfe des Opfers

Der mutmaßliche Kidnapper einer jungen Frau in Kalifornien hat alle Vorwürfe bestritten. Der Anwalt des Mannes sagte am Donnerstag (Ortszeit), sein Mandant weise „vehement“ zurück, im Jahr 2004 die damals 15-Jährige entführt und seitdem in Gefangenschaft sexuell missbraucht zu haben, berichtete die Zeitung „Orange County Register“. Die Nachbarn zeigten sich erstaunt über die Vorwürfe und zeichneten in Interviews mit der Zeitung „Los Angeles Times“ das Bild einer normalen Familie.

Die Frau habe die Vorwürfe erfunden, weil die beiden Beziehungsprobleme hätten, meinte der Verteidiger. „Sie werden als glückliches Paar beschrieben. Viele Leute haben mir erzählt, dass er sie wie eine Königin behandelt hat. Jedes Paar, das durch eine Scheidung geht, sagt oft Dinge, die einfach nicht wahr sind.“ Die Staatsanwaltschaft klagte den 42 Jahre alten Verdächtigen am Donnerstag wegen Vergewaltigung, Unzucht mit einer Minderjährigen und Entführung an. Das Strafmaß bei einer Verurteilung liege zwischen 19 Jahren und lebenslanger Haft.

Medienberichten zufolge könnten zusätzliche Tatvorwürfe hinzukommen. Die offizielle Anklageverlesung wurde vom zuständigen Richter im Bezirk Orange County auf den 9. Juni verschoben. Der mutmaßliche Täter muss in Haft bleiben, sofern er nicht eine Kaution von einer Million Dollar (720.000 Euro) hinterlegen kann.

Die heute 25-jährige Frau hatte am Dienstag die Polizei im südkalifornischen Santa Ana aufgesucht und ihren Mann wegen Körperverletzung angezeigt. Sie offenbarte ihre Leidensgeschichte: Der damalige Lebensgefährte ihrer Mutter habe sie verschleppt, unter Drogen gesetzt und missbraucht.

Später habe er ihr einen Job in einer Reinigungsfirma verschafft, bei der er auch arbeitete, um sie besser überwachen können, erklärte die Polizei. 2012 kam ein gemeinsames Kind zur Welt. Die junge Frau, die anonym bleiben will, sagte einem örtlichen Fernsehsender, sie habe mehrfach vergeblich versucht, sich zu befreien. Der Täter habe sie dafür verprügelt. Der Anwalt des Mannes zog diese Aussage in Zweifel. „Sie hatte viele Gelegenheiten, der Polizei Bescheid zu sagen“, sagte er. „Zehn Jahre gingen vorbei und sie erzählte niemals auch nur einem Menschen, dass etwas faul ist?“ Eine Nachbarin, Maria Reyes, die die Familie seit fünf Jahren kennt, sagte der „Los Angeles Times“: „Ich glaube es nicht. Es ergibt keinen Sinn.“ Sie beschrieb ein glückliches Paar, das mit der Tochter Freizeitparks besucht habe.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft nahm das mutmaßliche Opfer in Schutz: „Sie ist ein Opfer, das mit 15 Jahren gekidnappt wurde und überzeugt war, dass sie sich an niemanden wenden konnte“, sagte sie lokalen Medien. „Er hat große Anstrengungen unternommen, um sicherzustellen, dass sie nirgendwohin konnte.“