Ermittlungen

Partys mit Schülern: Odenwaldschule entlässt Lehrerin

Nur wenige Wochen nach der Entlassung eines Lehrers wegen des Besitzes von Kinderpornos hat die Odenwaldschule erneut einer Lehrkraft gekündigt.

Das bestätigte eine Sprecherin der Schule. In diesem Fall handelt es sich um eine Lehrerin des Internats, die mit Schülern in ihrer Lehrerwohnung Partys gefeiert haben soll. Die Schüler sollen dort übernachtet haben. Zudem soll die Frau auch Schüler in deren Zimmer besucht haben.

Ein Sprecher der Darmstädter Staatsanwaltschaft sagte, es gebe aber keinen Zusammenhang mit einem strafrechtlichen Verhalten. Das Wort Missbrauch sei nicht gefallen. Auch der Vize-Landrat des zuständigen Landkreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne), bestätigte die Freistellung der Frau: „Das ist uns auch mitgeteilt worden. Wir stellen gerade Nachfragen“, wird er zitiert. Die betroffene Lehrerin sei nach den Unterlagen, die seiner Behörde vorlägen, auch als „Familienhaupt“ im Internat eingesetzt gewesen.

Aufsichtsbehörden kritisieren schon länger eine zu große Nähe zwischen Lehrern und Schülern. Ursprünglich hatte die Schule angekündigt, einen pädagogischen Kurswechsel bis spätestens Ende September vorzulegen. Eine Änderung des Konzeptes soll nun am Sonnabend bei einem Treffen des Trägervereins beraten werden. Angedacht ist, dass Lehrer nicht mehr gleichzeitig Betreueraufgaben übernehmen und mit den Schülern eng zusammenwohnen. Dies könnten etwa Sozialpädagogen übernehmen. „Die verschiedenen Modelle müssen erst noch durchgerechnet werden“, sagte der Vorsitzende des Schulträgervereins, Gerhard Herbert.

An der Odenwaldschule waren 2010 nach langem Vertuschen sexuelle Übergriffe aufgedeckt geworden. Offiziell wird von 132 Opfern ausgegangen. Zuletzt gab es wieder neue Missbrauchsvorwürfe an der Schule. Die Staatsanwaltschaft sah dafür aber keine Anhaltspunkte.