Bootsunglück

Fähre in Bangladesch sinkt mit Hunderten Menschen an Bord

Einen Monat nach der Katastrophe des Fährschiffes „Sewol“ in den Gewässern vor Südkorea ist im Zentrum von Bangladesch erneut eine Fähre mit Hunderten Menschen an Bord gesunken.

Die Flussfähre kenterte und sank binnen weniger Minuten. Bis zum Donnerstagabend wurden zwölf Tote geborgen, Hunderte Menschen werden vermisst, wie die Polizei mitteilte. Unklar war, wie viele Menschen sich genau auf dem überladenen Schiff befanden, als es in einen Sturm geriet.

Es gebe widersprüchliche Angaben zur Zahl der Passagiere, sagte ein Vertreter der Behörden des Distrikts Munshiganj. „Die Zahl könnte zwischen 200 und 350 liegen.“ Die Fähre war auf dem Weg von der Hauptstadt Dhaka in den südlich gelegenen Distrikt Shariatpur, als sie auf dem Meghna-Fluss sank. Zwischen 20 und 30 Menschen hätten sich schwimmend retten können, sagte der örtliche Polizeichef Ferdous Ahmed. Die Fähre sei „komplett unter Wasser“. Ein Rettungsschiff habe mittlerweile den Unglücksort erreicht, Taucher der Feuerwehr hätten die Fähre geortet. Erschwert wurde der Einsatz durch die starke Strömung.

Unterdessen erhob die Staatsanwaltschaft in der südkoreanischen Stadt Kwangju Anklage im Fall der „Sewol“. Bei dem Fährunglück wurden 302 Menschen tot geborgen oder werden noch vermisst. Nun müssen sich der Kapitän und drei weitere Besatzungsmitglieder wegen vorsätzlicher Tötung vor Gericht verantworten. Dem 68-jährigen Kapitän, zwei Offizieren und dem leitenden Ingenieur wird vorgeworfen, nichts für die Rettung der Passagiere getan zu haben, wie das Ermittlerteam am Donnerstag mitteilte. Bei einer Verurteilung wegen Mordes oder fahrlässiger Tötung könnte den vier Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe oder sogar die Todesstrafe drohen. Allerdings wird schon seit 1997 die Todesstrafe in dem Land nicht mehr vollstreckt. Wann der Prozess beginnen soll, war zunächst unklar.