Fernsehen

Das Ende des launigen Herrenwitzes

Mit „Two and a Half Men“ wird eine der erfolgreichsten US-Fernsehserien eingestellt

Es hat ja schon einmal gekracht und damals noch viel lauter, auf Charlie Sheen ist eben Verlass. Chuck Lorre sei ein „Scharlatan“, ein „Stück Scheiße“, eine „Made“ und ein „dummer kleiner Mann“, dem er „nichts als Schmerzen“ wünsche: Sheen, für seine gern im Vollsuff vorgetragenen Pöbeleien ohnehin berüchtigt, langte mal wieder ordentlich hin, als er sich vor gut drei Jahren mit dem Erfinder und Produzenten der Erfolgs-Sitcom „Two and a Half Men“ endgültig überwarf. Sheens ständige Eskapaden und sein Stammplatz in fast allen Klatschforen und -spalten dieser Welt hatten die Serie schon damals unter schlechte Vorzeichen gestellt.

Dabei war sie da schon ein Vermögen wert – für den ausstrahlenden Sender CBS und für Sheen. Der kassierte nach Berichten von US-Medien seit Beginn der achten Staffel 1,25 Millionen Dollar pro Folge. Das war bei den 16 Folgen dieser Staffel schon nicht wenig, und weil Sheen noch zusätzlich durch seine Rechte an dem Format verdiente, stieg er zum bestbezahlten Schauspieler des US-Fernsehens auf. Für CBS war das alles auch erfreulich, zählte die Serie mit ihren Rekordquoten doch zu den beiden erfolgreichsten Sitcoms, die das US-Fernsehen überhaupt jemals auf die Beine gestellt hat – neben „Modern Family“, der charmanten Familienserie des Rivalen ABC. Rekorde über Rekorde also, von den Preisen vom „Emmy“ bis zum „People’s Choice Award“ ganz zu schweigen: Wo kam das alles her?

Im Zentrum der ersten acht Staffeln steht ein schwerreicher Werbejingle-Komponist namens Charlie Harper, gespielt von Charlie Sheen, der darin ein perfektes Alter Ego seines eigenen Lebenswandels fand. Denn Harper mag es ausgesprochen unstet, mit viel Alkohol und wechselnden Frauengeschichten – mit dem Rohstoff also, mit dem auch Sheen das Klatschbedürfnis der Öffentlichkeit schon seit Jahren fleißig nährte. In das Leben dieses Charlie Harper bricht der Terror des bürgerlichen Lebens ein: in Gestalt seines biederen Bruders Alan (Jon Cryer), der sich gerade von seiner Frau getrennt hat.

Weil er an den Wochenenden für seinen Sohn da sein muss (den Angus T. Jones spielt), hat der notorisch übellaunige Harper nun zwei Dauergäste in seiner Villa am Strand von Malibu – sieht man einmal von den vier Frauen ab, die aus den Nebenrollen heraus immer wieder hineinfunken: Da ist die gemeinsame Mutter Evelyn (Holland Taylor), die einen ähnlich kurzatmigen Umgang mit Männern pflegt wie ihr Sohn Charlie mit Frauen. Und da sind die verkorkste Ex-Frau Judith, die sarkastische Haushälterin Berta und Charlies Stalkerin Rose, die nicht damit leben mag, für ihn nur eine Bettgeschichte gewesen zu sein (und es in Wahrheit auch nicht ist).

Das ist vielleicht das Geheimnis dieser Serie: Keine dieser Figuren ist stabil und ausgeglichen, jede hat ihren jeweils eigenen Knacks. „Wo die Neurosen wuchern, will ich Landschaftsgärtner sein“, hat die deutsche Band „Element of Crime“ einmal gesungen, und genau das gelang Chuck Lorre mit diesem Dschungel der psychischen Komplexe: Er schuf eine schöne Parkanlage.

Gleichbleibend hohe Quoten

Das gelang ihm und seinen Autoren mit einem pointierten, schnellen und unprüden Humor, der selbst Zuschauer für sich begeistern konnte, die das US-Sitcom-typische Dosengelächter sonst eher abschreckend finden. Charlie lotst mal wieder eine Frau in sein Schlafzimmer, aber dann springt leider dauernd der Anrufbeantworter an und eine Verflossene beschimpft ihn: Solche Situationen sind typisch für die Serie, und oft sind sie todkomisch.

Sheen stieg nach der achten Staffel fluchend und mit bis heute nicht ganz geklärten Motiven aus. Der Bruch mit dem Produzenten und CBS war nicht zu kitten. Für ihn fand sich in Ashton Kutcher ein Ersatz, den die klatschaffinen Blätter ebenfalls liebten. Die Kritiker mochten ihn in seiner Rolle des Internetmilliardärs Walden Schmidt – und die Zuschauer dankten es ihm mit gleichbleibend hohen Quoten, auch in Deutschland. Die Gründe dafür, dass „Two and a Half Men“ nach der 12. Staffel enden wird, bleiben deshalb vorerst unklar. Ob es wohl mit gescheiterten Vertragsverhandlungen zu tun hat? Vielleicht weiß ja Charlie Sheen etwas darüber und tratscht es bei nächster Gelegenheit weiter.