TV-Kritik

Günther Jauch und die Abwesenheit der Volksvertreter

Man kann sich ganz gut einfühlen in eine Redaktion, die einmal die Woche eine Talkshow organisieren muss.

Es gibt ja so häufig Themen, die unsere Nation bewegen: Da hat entweder Herr Putin das Völkerrecht gebrochen oder Frau Nahles hat ein neues Rentenpaket verabschiedet – oder wenigstens feiert die Stiftung Warentest ihren 50. Geburtstag und man kann denen mal ordentlich auf die Finger klopfen. Was aber, wenn all diese Themen schon zur Genüge durchgehechelt sind, wenn also alles gesagt ist, nur noch nicht von allen? Ganz einfach: Man macht was zum „Tatort“, der gerade gesendet wurde. Der kam gestern aus Köln, und es ging um Jugendgewalt. Genauer: Es ging um ein paar Heranwachsende, die aus purer Langeweile am U-Bahnhof friedfertige Bürger zusammenschlagen. Oder noch präziser: totschlagen.

Damit wir uns nicht missverstehen: Es gibt kaum ein brisanteres Thema als dieses. Und die Frage, wie man mit gewalttätigen jugendlichen Straftätern umgeht, sollte politisch zumindest so relevant sein, dass sich der eine oder andere Volksvertreter auch in so einer „Günther-Jauch“-Sendung sehen lässt – nicht so gestern. Stattdessen hatten sich Menschen vom Fach in der Sendung versammelt. Undine Schulz und ihr straffälig gewordener Sohn Dennis eröffneten den Talk. Der Kinder- und Jugendpsychiater Volker Schmidt schilderte die Schwierigkeiten mit brutalisierten Jugendlichen, die Richterin Corinna Sassenroth und der frühere Kriminalhauptkommissar Addick Daase referierten die Probleme, sie dingfest zu machen und sie zu verurteilen. Das alles verlief auf einem unaufgeregten Niveau und jenseits üblicher Schreierei – und war so aufschlussreich, wie folgender kurzer Dialog: Kommt ein jugendlicher Straftäter in eine Talkshow und sagt: „Das Jugendstrafrecht in Deutschland ist zu milde“. Sagt die Richterin: „Was soll ich tun? Ihnen den Kopf abschlagen?“