Ausland

Nach Fährunglück tritt südkoreanischer Regierungschef zurück

Der südkoreanische Regierungschef Chung Hong Won ist wegen des schweren Schiffsunglücks mit rund 300 Toten zurückgetreten.

Präsidentin Park Geun Hye nahm Chungs Gesuch am Sonntag an. Ihr Sprecher Min Kyung Wook sagte, ein Datum für Chungs letzten Amtstag habe die Präsidentin noch nicht festgelegt. Chung hatte seinen Rücktritt wenige Stunden zuvor angeboten. „Als ich trauernde Familien unter dem Schmerz des Verlustes ihrer Lieben leiden gesehen und die Trauer und den Ärger der Öffentlichkeit gespürt habe, habe ich gedacht, ich müsse die Verantwortung als Ministerpräsident übernehmen“, teilte er mit. Er prangerte gesellschaftliche Probleme an, die im Zuge des Unfalls aufgetreten seien, und er sagte, er hoffe, dass diese behoben würden.

Chung und seine Regierung waren für ihr Krisenmanagement in die Kritik geraten. Angehörige werfen ihnen vor, nicht genug getan zu haben, um mehr Menschen auf dem gesunkenen Schiff zu retten. Chungs Rückzug dürfte dennoch vor allem symbolischen Charakter haben, da die ausführende Macht vor allem Präsidentin Park innehat.

Die „Sewol“ war am 16. April mit 476 Menschen an Bord nahe der Stadt Mokpo gekentert und gesunken. Bis Sonnabend wurden 188 Leichen geborgen, rund 114 Menschen wurden noch immer vermisst. Von den 29 Besatzungsmitgliedern überlebten 22. Auf freiem Fuß ist von ihnen nur noch das Servicepersonal.

Staatsanwalt Yang Jung Jin teilte am Sonnabend mit, vier weitere Steuerleute der „Sewol“ seien festgenommen worden. Damit sind nun alle 15 mit der Navigation betrauten Besatzungsmitglieder, darunter der Kapitän Lee Joon Seok, in Gewahrsam genommen worden.

Dem Kapitän und seiner Crew wird vor allem vorgeworfen, nach Beginn des Kenterns eine halbe Stunde mit der Evakuierung des Schiffs gewartet zu haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die „Sewol“ so stark zur Seite geneigt, dass es für die meisten Menschen im Inneren der Fähre kein Entrinnen mehr gab.