Fernsehen

Die Renovierung der „Tagesschau“

Knapp 24 Millionen Euro hat die ARD in die Gestaltung des neuen Studios gesteckt

Was wäre diese Sendung ohne den Gong? Volltönend eröffnet er seit 58 Jahren jede Nachrichtensendung in der ARD. Wir haben es in der Schule gelernt, wir kennen es vom Amt und aus der Religion: Wenn es gongt, dann geschieht Bedeutendes, dann hat die Autorität das Wort. Und die ist in diesem Fall derart staatstragend, dass sie sich auch noch eine Fanfare gönnt: taa-taa-ta-ta-ta-ta. Gong und Fanfare: Die Erkennungsmelodie der „Tagesschau“ vereint sakrale mit militärischen Signalen.

Die Frage ist jetzt, ob der Gong vielleicht ins Museum wandert. Denn es gibt ihn ja wirklich mitsamt seinem mechanischen Klöppel, irgendwo in den Kellern der ARD in Hamburg-Lokstedt. Dort löst ihn der Tontechniker Abend für Abend per Knopfdruck aus, bevor die Fanfare vom Band erklingt. Was daraus wird, klärt sich heute um 20 Uhr: Denn die „Tagesschau“ wird sich dann auch akustisch im neuen Gewand präsentieren. Der Komponist Henning Lohner, bekannt vor allem wegen seiner Arbeit für den Hollywood-Musikproduzenten Hans Zimmer, hat schon vor einigen Jahren den Auftrag erhalten, die klangliche Identität der ARD-Nachrichtensendung neu zu arrangieren.

Dass es sich dabei um eine behutsame Modernisierung handelt, hat Kai Gniffke, Chefredakteur von „ARD aktuell“, freilich schon mehrfach klargestellt. Kein Zuschauer wird befürchten müssen, künftig mit Easy Listening oder Death Metal empfangen zu werden.

Es ist nicht die einzige Renovierungsmaßnahme für die „Tagesschau“. Die ARD hat knapp 24 Millionen Euro Gebührengelder in die Hand genommen, um ihre Nachrichtensendung umfassend zu erneuern. Herausgekommen ist ein neues Studio, 320 Quadratmeter groß. Ein erheblicher Teil des Geldes dürfte in sein Imponierstück geflossen sein: Eine 18 Meter lange, gewölbte Panoramawand, die von sieben Projektoren mittels einer komplizierten Spiegeltechnik mit Filmen, Grafiken oder mit 3D-Animationen bespielt werden kann, verzerrungsfrei und in HD-Qualität. Sie machte die technischen Probleme, die für eine jahrelange Verzögerung des Projektes sorgten. Jetzt ist sie fertig. Die „Tagesschau“ wird also nicht aus einem virtuellen Studio wie die „heute“-Nachrichten im ZDF gesendet, wo erst die Bildtechnik den Gesamteindruck zusammenfügt. Die Kameras zeigen, was wirklich im Studio zu sehen ist. Aber hier wie dort ist die Geste die gleiche: Journalistische Seriosität wird vor allem durch technische Imposanz behauptet. Und durch den Körper des Moderators. Die Präsentatoren der Nachrichten werden für die Zuschauer künftig nicht mehr nur aus ihrem Oberleib bestehen. Sie werden vor der Nachrichtenwand herumspazieren, auf Tortendiagramme deuten, auf ukrainische Separatisten oder auf syrische Kinder.

Und Claudia Urbschat-Mingues, deutsche Synchronstimme von Angelina Jolie, soll die neue Ansage zur „Tagesschau“ sprechen. Wie der „Focus“ meldete, steht die 43-Jährige für ein Jahr als Stimme der Nachrichtensendung unter Vertrag – und sagt demzufolge auch: „Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau.“