Protest

Nun wird „Kalle“ in Köln doch noch zwangsgeräumt

Karl-Heinz Gerigk – von allen nur „Kalle“ genannt – muss seine Wohnung im Kölner Agnesviertel verlassen.

Zwar sind auch am Mittwoch Dutzende Kölner gekommen, um die Zwangsräumung zu verhindern, doch die meisten können das Geschehen nur aus der Ferne beobachten. Bereits in der Nacht zuvor hat die Polizei das Areal rund um das Haus an der Fontanestraße 5 abgeriegelt. Beim ersten Räumungsversuch Ende Februar war es den Mitstreitern der Kampagne „Alle für Kalle“ noch gelungen, Gerichtsvollzieher und Polizei mithilfe von Sitzblockaden abzuhalten. Diesmal zeigen sich die Polizisten jedoch entschlossener: Die Aktivisten werden weggeschleppt. Gut hundert Einsatzkräfte sind vor Ort.

32 Jahre lebte Gerigk in der kleinen Dachgeschosswohnung. Dass er dieses Zuhause am Mittwoch aber doch verlassen musste, dafür hat ein Immobilienmakler gesorgt. Er kaufte die Wohnung und meldete Eigenbedarf an. Ob er tatsächlich einziehen will, ist fraglich: Noch während Gerigk gegen die Kündigung klagte, wurde seine Wohnung als sanierte Altbauwohnung zum Kauf angeboten. Amts- und Landgericht entschieden dennoch zugunsten des Eigentümers – dessen Angaben seien glaubwürdig.

Damit hatte der 54-jährige Mieter zwar nicht das Recht auf seiner Seite, aber die Herzen. Über Wochen machten Nachbarn mit Transparenten an ihren Fenstern klar: Kalle soll bleiben. Auch Kölner Musiker wie Rolly Brings und Schriftsteller wie Günter Wallraff zählen zu den Unterstützern. Der Fall hat international, für Aufsehen gesorgt – weil er eben mehr ist als nur ein Einzelschicksal. Horrende Mietpreise auf einem überhitzten Wohnungsmarkt, Mieter, die nach einem Eigentümerwechsel um ihr Zuhause bangen, alte Häuser, die zu Luxusimmobilien umgebaut werden sollen – nicht nur in Köln ein Dauerthema.

Eine neue Bleibe hat Kalle nicht – er werde erst mal bei Freunden unterkommen, sagt er. Danach will er eine Anzeige aufgeben: „Kalle sucht Wohnung“.