Royals

In bester Gesellschaft

Cressida Bonas tritt erstmals offiziell an Harrys Seite auf. Die 25-Jährige wäre eine standesgemäße Wahl als Frau des Prinzen

Es ist nur ein Dinner, das Prinz Harry, die Nummer vier der britischen Thronfolge, am Abend für seine Militärkameraden, mit denen er im vergangenen Dezember zum Südpol getrekkt war – ein Einsatz im Namen der Stiftung „Walking With The Wounded“, die mit Spendengeldern verwundeten Soldaten den Weg in die Gesellschaft zurückfinden hilft –, im königlichen St. James’s Palace gibt. „Nur“ ein Dinner und doch viel mehr. Denn nicht die Erinnerung an diese Tour extremer Strapazen bewegt die Fantasie der britischen Zeitgenossen bei dieser Zusammenkunft, sondern eine junge Frau, 25 Jahre alt, die an diesem Abend als inoffizielle Gastgeberin an der Seite des Prinzen fungieren wird: Cressida Bonas.

Ganz langsam, ja, fast unbemerkt ist aus den beiden ein Paar geworden, unzertrennlich genug, um als nächstes Ereignis auf dem royalen Hochzeitskalender vorgemerkt zu werden. Wann das sein mag, ist weniger wichtig, als dass es passieren wird. Das ist die eigentliche Nachricht: Die Zähmung des einstigen wilden Partylöwen Harry durch eine Society-Schöne, im Vergleich zu der die verflossene Liebe des Prinzen, Chelsy Davy aus Südafrika, wie ein Exemplar bürgerlichen Durchschnitts in Vergessenheit gerät.

Cressida Bonas ist alles andere als bürgerlich. Mit ihrer adeligen Familiengeschichte überragt sie auch die Herzogin von Cambridge, Harrys Schwägerin, die geborene Catherine Middleton, um etliche Etagen. Der 29-jährige Prinz – er wird im September 30 – würde somit standesgemäßer heiraten als der künftige britische Monarch, Prinz William, sein älterer Bruder. Der Vergleich der beiden Familien, der Middletons und des Cressida-Stalls, ergibt noch eine viel aufregendere Aufschlüsselung: Adelig mag man im Hause von Lady Mary-Gaye Curzon, Cressidas Mutter, sein. Dennoch hat sie ein Leben ungefilterter Bohème geführt – mit vier Scheidungen und fünf Kindern von drei ihrer Ehemänner. Dem haben Michael und Carole Middleton, seit 33 Jahren glücklich verheiratete Eltern ihrer drei Kinder, nichts Vergleichbares gegenüberzustellen.

Geld, viel Geld

Tief ist das Dekadenzreservoir des britischen Adels. Alle fünf Kinder von Lady Curzon – Cressida ist das Jüngste, das die Mutter noch mit 42 Jahren bekam – verfolgen wohlgeratene Berufskarrieren, die vor allem eines gemeinsam haben: Geld, viel Geld, geerbtes und angeheiratetes. So etwa Cressidas Halbschwester Isabella – Spross des zweiten Ehemannes der Mutter, Grundstücksmagnat John Anstruther-Gough-Calthorpe –, die mit Sam Branson verheiratet ist, dem Sohn eines der reichsten Unternehmer Englands, Sir Richard Branson. Oder Halbbruder Jacobi Anstruther-Gough-Calthorpe, der tagsüber als Investmentbanker in der City arbeitet – für seine Kunden „Mr. Anstruther“ – und abends dreimal pro Woche mit Freunden Partys im Ibiza-Stil organisiert. Je hedonistischer und riskanter, desto besser.

Wir müssen noch einen Augenblick bei Lady Curzon verweilen, um besser an Cressida heranzukommen. Die Tochter von Edward Curzon, des 6. Earl Howe, eines Marineoffiziers, der König Edward VII. zum Patenonkel hatte, war in den 60er-Jahren eine Society-Belle der ersten Garnitur, dermaßen begehrt und gefeiert, dass man im Claridge’s, dem Spitzenhotel Londons, eigens einen „Blue Cocktail“ auf sie und ihr blaues Blut mischte. Auf „die Göttin ihrer Generation“, wie man damals und noch viele Jahre danach schwärmte. Auf dem Rennplatz von Ascot pflegte Lady Curzon nie ohne ihre fahrbare Küche zu erscheinen, mit entsprechender Bedienung und perfektem Silberbesteck für ausgewählte Tischgesellschaften. In einem Kalender der Schönen von Swinging London machte sie 1967 halb bekleidet und mit Motoröl beschmiert Furore. Das Öl war eine Erinnerung an ihren Großvater, den 5. Earl Howe, der neben seinen Geschäftsinteressen auch eine Passion für den Motorsport entwickelte und 1931 mit einem Alfa Romeo das Rennen von Le Mans gewann.

Lady Curzons dritter – längst geschiedener – Ehemann, Jeffrey Bonas, Chairman des Kurzwarenimperiums MacCulloch & Wallis, brachte weiteres Geld in das Stammesvermögen der Curzons. Es wurde gut in die Erziehung der Jüngsten investiert: erst auf einer teuren Privatschule, dann in einem Tanzkursus an der Universität von Leeds, schließlich im postgraduierten Studium an einem Elitetanzcollege in London, dem Trinity Laban Conservatoire in Greenwich, das Cressida Bonas im vergangenen Sommer abschloss. Aber da sich die Ahnung der Liaison mit Prinz Harry verdichtete, entschied sie sich gegen eine Karriere in Tanz und Choreografie, um den Medien keinen Anlass für besondere Fotojagden zu geben. So verdingt sie sich zurzeit in einer Londoner Werbeagentur.

Denn sie ist in diesem Milieu aus Geld und Glamour ganz normal geblieben und trägt ihre Unbeschwertheit, ohne sich in Szene zu setzen. Der Chelsea Set, den sie von ihrer Mutter geerbt hat, ist angeborenes Naturell. Ebenso bei ihren Society-Freundinnen: Lauter blonde adelige Schönheiten, die man nur die „BBB Crew“ nennt – blond, beautiful, blue-blooded (blond, schön, blaublütig). Mit Prinz Harry wurde sie im Mai 2012 bekannt, vorgestellt hatte sie ihre Cousine Eugenie, die Tochter von Fergie, der Herzogin von York.

Laufpass nach Billard-Strip

Als Harry sich später im selben Jahr in Las Vegas den Billard-Strip in seinem Hotelzimmer leistete, gab sie ihm erst einmal den Laufpass – solche Allüren bitte nicht mit mir! Die Versöhnung folgte dennoch und schon bei der Taufe von Prinz George, dem Sohn von William und Kate, im Oktober 2013 sah man Cressida unter den Royals an Harrys Seite. Gerade in dieser Woche kehrten beide von einem Kurzskiurlaub in Kasachstan heim, rechtzeitig zum Dinner im St. James’s Palace. London denkt schon an das nächste Mega-Ereignis nach der Hochzeit von Catherine und Prinz William im April 2011, dem Jubilee-Jahr der Queen und den Olympischen Spielen 2012. Die jüngste Generation der Windsors scheint Glück in der Liebe zu haben.