Justiz

Zwölf Jahre Haft für Säure-Anschlag

22-jährige Britin entstellt ihre Freundin schwer. Das Motiv: Eifersucht

Eine 22 Jahre alte Britin muss für zwölf Jahre ins Gefängnis, weil sie aus Rache und Eifersucht ihre hübsche Freundin mit Schwefelsäure übergossen und diese schwer entstellt hat. Ein britisches Gericht befand Mary Konye schuldig, Naomi Oni schwerste Verätzungen im Gesicht und Brustbereich zugefügt zu haben. Prozessbeobachter sprechen von einem überraschend harten Urteil.

Die Brutalität und Hinterhältigkeit der Tat, die bereits im Jahr 2012 begangen wurde, hatte die britische Öffentlichkeit schockiert. Und auch die Folgen, mit denen Naomi Oni leben muss – Schmerzen und zahllose Operationen. Während des Prozesses hatte sie in einem Statement erklärt, sie habe seit dem Angriff Selbstmordgedanken. Außerdem könne sie sich wegen Angstzuständen nicht mehr allein im Freien aufhalten. Auch der Staatsanwalt stellte fest, sie sei seit der Attacke „paranoid und verängstigt“. Mutter und Tochter waren nach der Attacke bei Freunden untergetaucht.

Die Ermittlungen in dem spektakulären Fall gestalteten sich lange als schwierig. Ein rassistischer Angriff war ebenso in Betracht gezogen worden wie eine Attacke durch muslimische Radikale, denn bei dem Angreifer handelte es sich um eine Person, die mit einem schwarzen Niqab (einen Gesichtsschal, der nur die Augen freilässt) bekleidet war. Säureattentate sind zudem meist aus Ländern wie Afghanistan, Iran oder Pakistan bekannt.

Sogar Naomi Oni selbst geriet ins Visier der Ermittlungen. „Man sagte mir, dass es keine Möglichkeit gebe, die Person zu finden, die mir das angetan hat. Dann verstand ich, dass man mich verdächtigte, es selbst getan zu haben“, sagte die 22-Jährige in einem TV-Interview, bei der sie eine lange Perücke trug und ihr Gesicht deutlich von Narben überzogen war. „Ich dachte, ich sei ganz allein“, erzählte sie weiter und brach in Tränen aus.

Kamerabilder entlarven Täterin

Schließlich brachte eine akribische Auswertung von Überwachungskameras die Polizei auf die richtige Spur. Zunächst hatte Konye alles abgestritten, schließlich jedoch reichten die Beweise für eine Anklage. Dabei stellte sich heraus, dass die Täterin auch nach der Attacke dem Opfer noch die beste Freundin vorspielte. Sie besuchte Naomi Oni im Krankenhaus und sprach ihr Mut zu, sie werde wieder gesund. Sie schickte Karten und Blumen. Sogar auf der Geburtstagsparty war sie erschienen.

Anlass für das Attentat war offenbar gekränkte Eitelkeit. Die hübsche Naomi Oni, die in dem Unterwäschegeschäft „Victoria’s Secret“ im Osten Londons arbeitete, soll ihre Angreiferin in einem Streit als hässlich bezeichnet haben. Seitdem soll die Wirtschaftsstudentin einen Racheplan geschmiedet haben. Schließlich verfolgte Konye ihr Opfer am 30. Dezember 2012 heimlich, als sie von ihrer Arbeit den Nachtbus nach Hause nahm. Sie verschleierte sich, um unerkannt zu bleiben.

Kurz bevor Naomi Oni ihre Wohnung erreichte, überschüttete Konye sie mit Schwefelsäure. Über ihre Peinigerin sagte Naomi Oni: „Wir lernten uns kennen, als ich elf Jahre alt war. Ich glaube, sie war immer neidisch, es war eine Art Hass, den ich nicht verstanden habe.“

Oni benötigte nach der Attacke mehrere Hauttransplantationen und hat bleibenden Narben im Gesicht, auf Brust, Armen und Beinen. Fotos nach dem Angriff zeigten ihr Gesicht mit schwarzen Flecken übersät. Auf einem Auge ist sie fast blind. Sie muss teilweise eine Maske tragen und steht vor einer weiteren Gesichtsoperation.