Vermisstes Flugzeug

„Wenn da was ist, werden wir es finden“

Wrackteile von Flug MH370 sind bislang noch nicht gesichtet. Suche vor Australien wird am Wochenende verstärkt

Die Suche nach Wrackteilen des verschwundenen Flugs MH370 in einer abgelegenen Region des Indischen Ozeans vor Australien ist am Freitag ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Damit bleibt die malaysische Boeing 777-200 verschollen. Zwei Wochen nach dem Verschwinden der Maschine mit 239 Menschen an Bord suchten die Einsatzkräfte ein Gebiet von 23.000 Quadratkilometern ab – ein Fläche etwa so groß wie Mecklenburg-Vorpommern. Australiens Vize-Premierminister, Warren Truss, kündigte an, dass die Suche am Sonnabend fortgesetzt werde: „Wir tun alles was wir können und wir werden nicht aufgeben.“

Die Aktion wird durch die große Entfernung vom australischen Festland erschwert: Den Flugzeugen bleibt nach der Ankunft im Suchgebiet Treibstoff für etwa zwei Stunden, bevor sie den Rückflug antreten müssen. Der australische Einsatzleiter John Young betonte, die Spezialisten hielten nach wie vor auch nach Überlebenden Ausschau. Auf Satellitenbildern hatten Experten rund 2500 Kilometer von Perth entfernt Objekte entdeckt, die Bruchstücke der Maschine sein könnten. Das Treibgut konnte von den Flugzeugen bislang aber nicht entdeckt werden. Schlechtes Wetter erschwerte die Bemühungen der Suchtrupps. Drei australische Maschinen, dazu eine amerikanische und eine weitere aus Neuseeland waren am Freitag bei Regen, Nebel und dichten Wolken unterwegs. Dort waren die möglichen Wrackteile von 24 und fünf Metern Länge gesichtet worden.

Suche nach Überlebenden

„Sie (die Objekte) sind unsere beste Spur zu einer Stelle, wo wir womöglich Menschen finden, die gerettet werden müssen“, sagte Young. „Wir konzentrieren uns darauf, Überlebende zu finden, wenn es Überlebende gibt.“ Nach Auskunft Youngs sind für die Art der Suche mehr als die bisherigen Flugzeuge aus Australien, Neuseeland und den USA nötig. Die letzte Maschine, die im Einsatz war, kehrte am Freitagabend (Ortszeit) vor Einbruch der Dunkelheit um.

China setzte weitere Schiffe mit Hubschraubern an Bord in Bewegung. Der Eisbrecher „Xuelong“ (Schneedrache) fülle in Australien seinen Proviant auf und fahre dann in den südlichen Indischen Ozean, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Aus Japan sollten zwei weitere Flugzeuge am Wochenende in Australien eintreffen. Truss sagte, es sei wahrscheinlich, dass sich noch weitere Länder an dem Einsatz beteiligen. Auch neue und bessere Satellitenbilder könnten helfen. „Wir versuchen, mehr und hochauflösendere Fotos zu bekommen. So wollen wir mehr Aufschluss darüber gewinnen, wo die Objekte sind, wie weit sie sich bewegt haben und welche Anstrengungen für die Suche noch unternommen werden sollten“, sagte Truss.

Die Boeing der Malaysia Airlines ist seit dem 8. März spurlos verschwunden. Sie war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Die Ermittler sind nach Signal- und Datenanalysen überzeugt, dass die Maschine nach dem Start radikal vom Kurs abwich und noch stundenlang weiterflog. Am vergangenen Sonnabend, eine Woche nach dem Verschwinden, sagte der malaysische Regierungschef Najib Razak, alles deute darauf hin, dass die Kommunikationssysteme an Bord absichtlich abgestellt wurden. Ein Kabelbrand mit giftigen Gasen oder ein Luftdruckverlust, der die Piloten bewusstlos machte, werde aber auch nicht ausgeschlossen, hatte der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein am Donnerstag gesagt.

Bei der Suche nach den beiden vom Satelliten aufgenommenen Objekten im Indischen Ozean war das Wetter am Freitag zumindest etwas besser als noch am Vortag. „Die Wolken hängen zwar tief, aber darunter ist es relativ klar“, sagte Young. Die Aufklärungsflugzeuge fliegen bei ihren Einsätzen nur wenige hundert Meter über der Wasseroberfläche. „Das Gebiet ist immer noch riesig, dort etwas mit bloßem Auge zu sehen ist schwierig.“ Ein Hercules-Transportflugzeug hat Bojen im Gebiet abgeworfen, um Suchexperten bessere Rückschlüsse darauf zu ermöglichen, wohin und wie schnell Dinge abdriften.

Die Maschinen brauchen mehr als drei Stunden vom australischen Stützpunkt Pearce, um das Suchgebiet im Indischen Ozean zu erreichen. Im Einsatz sind unter anderem drei Seeaufklärer vom Typ Orion P-3. Sie sind mit Radar, Sonar und Infrarot-Sensoren ausgestattet und können mit Hilfe eines Magnetdetektors Objekte bis 300 Meter Wassertiefe orten. In der Nähe des Fahrgestells sind zudem ferngesteuerte Kameras mit Zoom installiert. Die Maschinen fliegen in der Regel mit elf Personen als Besatzung. Hoch spezialisierte Späher versuchen, vom Fenster aus mögliche Objekte im Wasser zu sichten.

Die Region liegt in einem Gebiet, das unter Seefahrern als „Roaring Forties“ bekannt ist. Damit ist eine Region mit heftigem Westwinddrift zwischen dem 40. und 50. südlichen Breitengrad gemeint. Dort ist das Wetter meist unbeständig und der Wellengang hoch. Vor Ort ist bereits ein norwegisches Frachtschiff, dessen Besatzung die Amsa um Mithilfe gebeten hat. Die Mannschaft an Bord hält ebenfalls nach möglichen Wrackteilen Ausschau.

Der abgelegenste Ort der Welt

Der australische Premierminister Tony Abbott sagte, man suche mit höchstem Einsatz nach möglichen Trümmern. „Wir haben alles, was wir haben, auf die Gegend konzentriert, um herauszufinden, was es mit diesen Trümmern auf sich hat“, sagte er. „Es ist wohl der abgelegenste Ort der Welt, den man sich denken kann. Aber wenn da unten etwas ist, werden wir es finden. Wir schulden es den Familien dieser Menschen, da nicht nachzulassen“, versprach Abbott. Mike Yardley, Generalmajor der neuseeländischen Luftwaffe, zeigte sich zuversichtlich, dass die Teile gefunden werden, wenn sie nicht inzwischen untergegangen sind. „Ich war schon früher an solchen Missionen beteiligt, wenn es ein paar Tage gedauert hat, um zu Ergebnissen zu kommen“, sagte er.

Der malaysische Verteidigungsminister Hishammuddin Hussein stellte sich auf eine lange Suche nach den mutmaßlichen Wrackteilen ein. Er sagte, er wollemit US-Verteidigungsminister Chuck Hagel über weitere Hilfe der USA sprechen. Abbott sprach auch mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Dieser sei „am Boden zerstört“. Von den 227 Passagieren der vermissten Maschine waren 154 aus China. Malaysische Staatsvertreter trafen in Peking die Angehörigen der chinesischen Insassen der Maschine.