Rätsel

Entführt? Verunglückt? Abgeschossen?

Seit elf Tagen ist Flug MH370 verschwunden. Wer steckt hinter den mysteriösen Ereignissen? Eine Spurensuche

Das Rätsel, das die Welt seit dem 8. März in Atem hält, ist für die Zuschauer der Frühsendung „Good Morning America“ des US-Nachrichtensenders ABC längst gelöst. Bereits am Sonnabend durften sie in das Cockpit einer Boeing 777 blicken. Dann schwenkte die Kamera auf eine Axt, mit der nach einer Notlandung das Fenster eingeschlagen werden kann. „Sie könnte als Waffe benutzt worden sein“, mit der ein Pilot den anderen tötete, erklärte der Sprecher. Ja, es könnte so gewesen sein an Bord von Flug MH370 der Malaysian Airlines. Oder ganz anders. Weil kaum Fakten bekannt sind über das, was an Bord geschah, werden derzeit Theorien aller Art bemüht. Und sie werden mitunter auch rasch widerlegt.

Ist der Kopilot verdächtig?

So wurde am Montag der 27-jährige Erste Offizier und Kopilot Fariq Abdul Hamid weltweit als derjenige verdächtigt, der das Flugzeug entführte und dafür – möglicherweise – zuvor alle anderen Menschen an Bord tötete. Die Indizien gegen ihn: Er soll den inzwischen berüchtigten letzten Funkspruch, „Alright, good night“, abgesetzt haben – zu einem Zeitpunkt, als das Datenfunksystem Acars (Aircraft Communications Addressing and Reporting System) bereits abgeschaltet gewesen sei. Warum hätte er „Alles klar, gute Nacht“ vermelden sollen, wenn Acars durch einen technischen Defekt ausgeschaltet worden wäre?

Doch seit Dienstagmorgen ist Fariq Abdul Hamid nicht mehr gar so verdächtig. Denn die „New York Times“ meldet nun, entgegen den Informationen der vorigen Tage sei Acars doch nicht ausgeschaltet gewesen, bevor sich der Kopilot mit diesem kurzen Gruß verabschiedete. Das heißt: Der erste Pilot, der 53-jährige Zaharie Ahmad Shah, muss als mindestens ebenso verdächtig gelten. Hat er möglicherweise den Funkspruch seines Kollegen abgewartet, bevor er diesen unschädlich machte und danach vielleicht alle anderen Menschen an Bord tötete? Dritte Theorie in diesem Zusammenhang: Pilot und Kopilot arbeiteten zusammen. Die vierte Theorie: Beide wurden gezwungen und sind die ersten Opfer von Entführern, die an Bord waren.

Möglicherweise gibt es aber nun Augenzeugen dafür, dass sich das Flugzeug über dem Indischen Ozean befand – und dabei über die Malediven flog. Bewohner der Insel Kudahuvadhoo hatten sich gemeldet, weil sie am 8. März gegen 6.15 Uhr in der Früh einen auffällig tief fliegenden Jet bemerkt hatten.

„Nicht nur ich habe es gesehen, sondern mehrere Bewohner haben das Gleiche beobachtet“, sagte ein Augenzeuge. „Einige Leute kamen sogar aus dem Haus, um zu sehen, was diesen Lärm verursacht.“ Berichte, der Pilot der Unglücksmaschine habe unmittelbar vor seinem letzten Flug ein Gerichtsverfahren besucht, in dem Anwar Ibrahim wegen Homosexualität zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, sind inzwischen dementiert worden. Dementiert wird auch, dass Zaharie Ahmad Shah wenige Tage vor dem Verschwinden von MH370 von seiner Frau und den drei Kindern verlassen worden sei und er deshalb Selbstmord begangen habe.

Bordcomputer manipuliert?

Doch warum würde jemand vor dem beabsichtigten Absturz eines Flugzeugs den Transponder abschalten und schließlich eine völlig ungewöhnliche Route ansteuern? Ein Suizid ließe sich für die Piloten leichter und direkter begehen. Die „New York Times“ wartet noch mit einer weiteren überraschenden Neuigkeit auf: Der ungewöhnliche und mehrfache Kurs- und Höhenwechsel des Flugzeugs nach dem Ende des Funkkontakts sei vom Bordcomputer gesteuert worden – und zwar manuell. Unklar bleibe, ob die Navigationsziele schon vor dem Start eingegeben wurden oder erst an Bord. Das unterstreicht den Vorsatz dieser Tat – und rückt zum anderen wieder beide Piloten in den Fokus.

Greifen wir die übrigen Theorien auf: Die Maschine sollte zu einer Terrorwaffe im Stil des 11. September 2001 umfunktioniert werden. Da es aber keinen 9/11-ähnlichen Anschlag gab, lässt dies zwei Möglichkeiten zu: Die Boeing wurde an einen unbekannten Ort gebracht, wo sie auf ihren Einsatz wartet. Oder sie verunglückte, bevor sich dieser Plan ausführen ließ. Ebenfalls gehandelt wird die Spekulation, an Bord habe es eine besonders wertvolle Ladung, möglicherweise Juwelen gegeben. Darum sei die Maschine entführt worden. Oder ist sie doch über dem Meer abgestürzt? Weitere Theorien bauen auf die bruchstückhafte, oft verfälschende Informationspolitik des malaysischen Militärs hin, das in den ersten Tagen mit Details offenkundig bewusst hinter dem Berg hielt. Weil die Piloten in Abweichung von der Route erneut über Malaysia hinweggeflogen seien, wobei sie sich wegen der abgeschalteten Kommunikationssysteme nicht identifizieren konnten, seien sie abgeschossen worden.

Und schließlich gibt es die von einigen Sicherheitsexperten wie der Britin Sally Leiveslesy und dem für eine deutsche Firma arbeitenden Hugo Teso vertretene Theorie, MH370 sei das erste Opfer eines Falles von Cyber-Hijacking geworden. Flugzeuge ließen sich per Smartphone oder Computer aus der Ferne steuern. Die US-Flugbehörde FAA aber dementierte dies.