Justiz

Pistorius-Prozess: Richterin rügt Anwalt des Sprintstars

Der Anwalt des wegen Mordes angeklagten Sprintstars Oscar Pistorius hat mit einer spöttischen Zeugenbefragung erneut Unmut im Gericht erregt.

Barry Roux wurde bei der Verhandlung am Dienstag in Pretoria von Richterin Thokozile Masipa zurechtgewiesen, weil er sich über einen Polizeifotografen lustig machte. Pistorius selbst brach während der Aussage eines Waffenexperten in Tränen aus.

Der Polizeifotograf hatte nach der Tatnacht in Pistorius’ Haus mehrere Fotos im Badezimmer aufgenommen, dessen Tür mit einem Cricketschläger eingeschlagen worden war. Eines der Fotos zeigte den anscheinend blutverschmierten Schläger auf dem gefliesten Badezimmerboden. Ein weiteres zeigte die andere, mit Autogrammen von Cricketstars beschriftete Seite des Schlägers. „Welches ist für Sie das vordere und welches das hintere Ende des Schlägers?“, fragte der Anwalt den Zeugen. Weiter wollte Roux wissen, ob der Fotograf überhaupt „schon einmal selbst Cricket gespielt“ oder den Sport zumindest gesehen habe. „Haben Sie schon einmal jemanden mit dem Griff des Schlägers schlagen sehen, also mit der Seite, die nicht flach ist?“, fragte Roux. Der befragte Polizist Barend van Staden entgegnete geduldig, dass er zwar noch nie Cricket gespielt, aber schon bei Spielen zugeschaut habe und wisse, mit welchem Ende des Schlägers der Ball gespielt werde. Allerdings habe er nur die Vorderseite des Spielgeräts fotografieren können, ohne den Schläger zu berühren. Die Staatsanwaltschaft erhob daraufhin Einspruch, weil der Zeuge ihrer Ansicht nach „der Lächerlichkeit preisgegeben“ wurde.

Pistorius selbst las während des Wortgefechts ein Buch und verfolgte auch die Aussagen eines Ballistikers zunächst regungslos. Als der Polizeiexperte die Schusswunden von Pistorius’ Freundin Reeva Steenkamp erwähnte, brach der Sprintstar erneut in Tränen aus und hielt sich die Ohren zu. Er muss sich wegen der Tötung Steenkamps seit Anfang März vor Gericht verantworten.