Familiengericht

Töchter und andere Schrecken

Eine 18-Jährige in den USA verklagte ihre Eltern. Nun lebt sie wieder zu Hause

Rachel Canning ist eine Teenagerin, eine heranwachsende Frau, die ihren Platz in der Gesellschaft sucht. Die 18-Jährige hängt gern mit Freunden zusammen und zieht am Wochenende mit ihrer ersten großen Liebe von Party zu Party. Dass sie dabei auch mal betrunken und erst am frühen Morgen nach Hause kommt, findet die Schülerin einer katholischen Privatschule nicht weiter schlimm. Ihre ratlosen Eltern nimmt sie schon lange nicht mehr richtig ernst. Für Väter und Mütter mit Teenagern dürfte die Geschichte von Rachel Canning aus New Jersey, nicht ungewöhnlich klingen. Doch in den USA landet ein solch klassischer Konflikt zwischen Teenagern und Eltern schnell einmal vor Gericht.

Vergangene Woche hatte Rachel Canning ihre Eltern vor das Familiengericht in Morristown bestellt. Canning, die im Oktober 2013, zwei Tage vor ihrem 18. Geburtstag ausgezogen war, forderte von ihren Eltern neben Unterhalt von wöchentlich 654 Dollar auch die Zahlung der Jahresgebühren ihrer Privatschule von fast 6000 Dollar sowie die mehr als 12.000 Dollar Anwaltskosten.

Ein über Monate andauernder Streit hatte so vor einem Richter seinen Höhepunkt gefunden. Und eine Versöhnung zwischen Tochter und Eltern schien nach der Verhandlung ausgeschlossen. Doch knapp eine Woche nach einem Prozess, der bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, scheint es eine dramatische Wende in dem Fall zu geben.

„Rachel ist zu ihren Eltern zurückgezogen“, sagte am Mittwoch der Anwalt von Sean und Elizabeth Canning, Angelo Sarno. „Der Streit wurde einvernehmlich beigelegt. Beide Seiten sollten zufrieden und glücklich sein.“ Laut Sarno sei der Konflikt für die Eltern „erledigt und eine alte Geschichte“. Allerdings: Offiziell hat Rachel ihre Klage noch nicht zurückgezogen. Eine Versöhnung auf Bewährung?

Der Anwalt der Eltern räumte ein, dass „der Prozess Schaden für die Familie verursacht habe, den beide Seiten erst noch reparieren müssten“. Er verwies vor allem auf die Gerichtsverhandlung vom vergangenen Donnerstag, die sich zu einer wahren Schlammschlacht entwickelt hatte. Rachel beschuldigte dabei ihre Mutter unter anderem, für ihre Essstörungen verantwortlich zu sein. „Sie hat mich als kleines Schweinchen und als fett beschimpft“, erklärte die Cheerleaderin. Den größten Ärger hätte sie allerdings wegen ihres Freundes gehabt, den die Eltern konsequent ablehnten. „Sie wollten, dass ich mich von ihm trenne“, behauptete Rachel, die ganz brav in ihrer katholischen Schulkleidung vor Gericht erschienen war.

Die sichtlich getroffenen Eltern wiesen die Vorwürfe ihrer Tochter als „haltlos, absurd und als Lüge“ zurück. Rachels Mutter, Elizabeth, bezichtigte ihre Tochter dagegen als Diebin, die ihr aus ihrer Handtasche einmal 100 Dollar, eine anderes Mal ihre Kreditkarte gestohlen hatte. Dass sie Rachels Freund nicht mochte, bestätigte sie allerdings.

Richter Bogaard wies die Klage von Rachel Canning als unbegründet zurück. „Als nächstes würde dann eine Zwölfjährige eine Xbox vor Gericht oder eine 15-Jährige einen 60-Zoll-Flachbildschirm fordern“, so der Vorsitzende des Familiengerichts. Eltern könnten nicht in ständiger Angst davor leben, verklagt zu werden, nur weil sie bestimmte Regeln aufstellen würden.