Justiz

Toilettentür liefert Einzelheiten im Mordprozess Pistorius

Es steht nicht gut um Oscar Pistorius. Auch am achten Tag seines Mordprozesses wird seinen Aussagen widersprochen.

Am Mittwoch war es ein Forensikexperte, der die Ereignisse in der Tatnacht aus seiner Sicht schilderte. Danach trug der südafrikanische Sprintstar – anders als von ihm behauptet – vermutlich keine Beinprothesen, als er nach den tödlichen Schüssen auf seine Freundin Reeva Steenkamp mit einem Cricketschläger gegen die verschlossene Toilettentür seines Hauses schlug. Der 27-jährige Sportler besteht darauf, zunächst ohne Prothesen am frühen Morgen des 14. Februar 2013 versehentlich auf das Model geschossen zu haben, das er für einen Einbrecher hielt. Nachdem er bemerkt habe, was geschehen sei, habe er sich die Prothesen angelegt und mit einem Cricketschläger die Tür einzuschlagen versucht, um zu Steenkamp zu gelangen.

Kriminaltechniker J. G. Vermeulen verließ seinen Zeugenstand, um im Gericht an der im Saal aufgestellten und von Schüssen durchlöcherten Originaltür aus Pistorius’ Haus die Höhe der Schläge zu demonstrieren. Dazu ging er in die Knie. Er zeigte die Markierungen des Schlägers und sagte, sie befänden sich „ziemlich weit unten. Das ist nicht die normale Position, die ich von einer Schlägerspur erwarten würde.“ Vielmehr stimme die Höhe mit Pistorius’ natürlicher Position ohne Prothesen überein. Der Forensikexperte brachte mit seiner Aussage Pistorius’ Darstellung ins Wanken. Er verfügt über drei Jahrzehnte Erfahrungen in der Kriminaltechnik.

Der Verteidiger des 27-jährigen Sportlers, Barry Roux, entgegnete, Pistorius habe beim Schlagen gegen die Tür den Rücken gekrümmt. Die Spuren entsprächen einer solchen Körperhaltung. Im Gerichtssaal war nicht nur die Originaltür aus Pistorius’ Haus aufgestellt, sondern es wurde der gesamte Tatort inklusive einer Toilette nachgebildet. Pistorius schoss viermal auf Steenkamp, drei der Kugeln trafen sie in Kopf, Arm und Hüfte.