Bildung

Italiens „Merkelina“ träumt von einem Treffen mit der Kanzlerin

Maria Zanchetta liebt Deutschland über alles. Die Hochbegabte will später hier leben

Was wünscht sich ein 15-jähriges Mädchen? Ein neues Smartphone? Eine Karte für das Konzert ihres Lieblingssängers? Maria Zanchetta aus der Region Venetien in Norditalien hegt einen anderen Traum. „Ich würde so gerne Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen. Sie ist mein großes Vorbild. Nur fünf Minuten. Dafür wäre ich immer bereit, nach Berlin zu kommen. Das wäre für mich der schönste Moment meines Lebens.“ Mit ihrer Leidenschaft für Merkel fällt Maria aus dem Rahmen. Nicht nur wegen ihres jungen Alters. In Italien wird „la Merkel“ alltäglich für ihre Sparwut gescholten. Ihren Ruf nach Haushaltsdisziplin machen viele Italiener mit für die schwere Rezession im Land verantwortlich.

„Das ist nicht gerecht“, sagt Maria. „Italien muss mehr sparen. Unsere Politiker geben zu viel Geld aus“, sagt sie. Maria verfolgt seit der Griechenlandkrise jeden Schritt Merkels. „Die Bundeskanzlerin hat mit Entschiedenheit gehandelt. Das gefällt mir.“ In ihrem Heimatort San Zeno di Cassola ist Maria stadtbekannt. „La Merkelina“ oder die „kleine Kanzlerin“ wird sie von ihren Schulkameraden genannt.

Dabei hat Maria eine Schwäche für ganz Deutschland. Sie hat sich Deutsch beigebracht. Über Satellitenschüssel schaut sie das „Heute-Journal“. In ihrem Zimmer hängt ein Poster von Bastian Schweinsteiger, und in der Schrankwand im Wohnzimmer sind Autogrammkarten von Merkel, Finanzminister Wolfgang Schäuble, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann aufgereiht. Über alle ist sie bestens informiert, sie hat Bücher über die deutsche Geschichte verschlungen.

Maria ist eine Hochbegabte. Sie interessiert sich für Anthropologie, Ägyptologie und Münzwissenschaft. Sie spricht vier Sprachen. Drei Bücher hat sie schon veröffentlicht. Nummer vier und fünf sind geschrieben, sie sucht nach einem Verleger. Am sechsten Werk sitzt sie gerade. Ihre Liebe zu Deutschland entdeckt Maria im Alter von drei Jahren. Ihr Großvater ist Lkw-Fahrer, aus Frankfurt bringt er seiner Enkelin zwei DM-Stücke mit. Maria spielt mit ihnen. 2009 macht die Familie einen Ausflug nach Bozen, erstmals kommt sie mit deutschsprachigen Menschen in Kontakt, kauft sich die erste deutsche Tageszeitung, „Die Welt“, und reimt sich den Inhalt der Artikel zusammen. Im Juni 2011 schließlich ist Maria zwei Tage Berlin.

Im Kindergarten und in der Grundschule wurde ihre Frühreife eher als Problem denn als Bereicherung betrachtet. Unterstützung von den Behörden oder Lehrern bekam sie keine. Ihre Eltern Michele und Elena arbeiten hart, um sie auf eine Privatschule zu schicken, wo sie gefördert wird. Briefe an italienische Politiker bleiben unbeantwortet, nur Staatspräsident Giorgio Napolitano schreibt ihr zurück. Seit 2012 schreibt Maria an Merkel, Schäuble, Seehofer und von der Leyen, Bundesbankpräsident Weidmann gratuliert sie zum Geburtstag. Immer erhält sie eine Antwort, von der Leyen wendet sich zweimal persönlich an sie.

Im Juni 2013 wird Maria dann ins Bundeskanzleramt eingeladen. Merkel ist zwar verhindert, dafür darf Maria sich vor dem Rednerpult Merkels ablichten lassen. Persönlich Zeit nimmt sich Finanzminister Schäuble. Am 17. Juni 2013 um 8.30 Uhr bittet Schäuble sie zu sich ins Büro. Eine Viertelstunde plaudern sie, unter anderem über die Finanzkrise in Zypern. Ihre Zukunft sieht sie – wen wundert es? – in Deutschland. „Dort will ich leben.“ In München möchte sie Anthropologie studieren. Es gibt nur eins, was sie dann vermissen wird: „Spaghetti sind mir lieber als Kartoffeln.“