Buch

Essen wie auf der Leinwand

Berühmte Köche stellen ein Kochbuch vor, das sich dem Essen in Kinofilmen widmet

Gerade haben die Gangster in Martin Scorseses „Good Fellas“ einen Mann halb totgeschlagen. Sie wollen ihn nachts im Wald vergraben. Als sie die Schaufel holen, steht die Mutter von einem der Gangster (dargestellt von Regisseur Martin Scorseses Mutter) im rosa Bademantel in der Küche und sagt: „Ich mach Euch etwas zu essen.“ Sie sitzen am Tisch, essen, reden, scherzen, lachen. Robert De Niro schüttet Ketchup auf den Teller und lobt die Kochkunst.

Der Berliner Koch Kolja Kleeberg hat im Nachhinein das passende Rezept dazu entwickelt, es heißt „Auberginen-Piccata mit Mama Scorseses Tomatensauce“. Die Auberginen werden in einem Teig aus Ei, Parmesan und Zitronenschale gebacken, in die Tomatensoße kommen Hackbällchen. Was genau es in „Good Fellas“ gab, ist im Film nicht zu erkennen, aber das Rezept. Der Anspruch stimmt zumindest.

Kleeberg, der einen Michelin-Stern hat, schlägt für die Gangster außerdem Sardinen mit Auberginengemüse vor. Er hat sich von „Good Fellas“ zu den Rezepten anregen lassen. Sie finden sich in einem Buch, das am Montag in Berlin vorgestellt wurde und das dem Kino und der Küche huldigt. „Filmrezepte“ versammelt 25 Menüs von 13 herausragenden Köchen zu Filmen, die sich mit Essen, Köchen, Küchen beschäftigen oder in denen sehr viel gegessen wird.

Vielleicht mit einer Ausnahme. Auch bei längerem Nachdenken über „Sideways“ von 2004 fällt einem nichts ein, das tatsächlich gegessen wird, dafür ist es der vielleicht schönste Weintrinker-Film. Tim Raue, ebenfalls Berliner, schlägt als Rezept Ochsenbacken vor, die in Pinot Noir geschmort werden. Pinot Noir, Spätburgunder, ist ein Muss, handelt „Sideways“ doch von der Spätburgunder-Manie des Helden. An Spätburgunder führt auf der Reise durch Kalifornien kein Weg vorbei.

Der früheste im Kochbuch aufgegriffene Film ist Chaplins „Goldrausch“ von 1925, in dem vor Hunger ein Schuh verspeist und dazu von einem Huhn geträumt wird. Das wird von Marco Müller in eine Poulardenbrust mit Orangensoße und allerlei Zutaten verwandelt. Der erste Film, der Essen komplett als Thema hat, ist „Das große Fressen“ von 1973, der damals das Publikum schockierte und in Irland ganz verboten wurde. Heute schlägt Koch Christian Lohse vor, dazu Blutwurstsuppe, Seezunge mit Pfifferlingen und halbwilde Ente zu essen. Und zum Animationsfilm „Ratatouille“ gibt es Gemüsezwiebeln mit Grünkernrisotto – erdverbunden wie das Ratatouille im Film.

Stellt sich die Frage nach der Machbarkeit der Rezepte in heimischen Küchen. „Für mich ist das einfach“, sagt Michael Hoffmann und gibt zu, ein halbes Dutzend Köche als Unterstützung zu haben. Die Rezepte sind anspruchsvoll, die Sterne-Köche wollen doch anders sein als Mama Scorsese in ihrem Bademantel und die hoffnungsfrohe Pariser Ratte Rémy in „Ratatouille“.

Thomas Struck, Karin Laudenbach, Jörg Lehmann: Filmrezepte. Callwey, München. 192 Seiten, 39,95 Euro