Drama

Olympia-Turner tötet seinen Sohn und sich selbst

Jürgen Brümmer erstickt sein Kind und springt in den Tod

Seine Physiotherapie-Praxis an der Libanonstraße in Stuttgart-Ost wirbt mit dem Slogan „Ihre Gesundheit in besten Händen“. Jürgen Brümmer hat in seinem Leben vielen Menschen geholfen. Mit seinen Händen hat der 49-Jährige zahlreiche Kranke behandelt, hat sie während der Rehabilitation begleitet, ihnen Lebensmut gemacht und dafür gesorgt, dass sie wieder gesund wurden. Nun hat er sein eigenes Leben beendet. Brümmer stürzte sich in der Nacht zum 25. Februar vom Körschtalviadukt, einer 55 Meter hohen Straßenbrücke südöstlich von Stuttgart.

Schlimmer noch: Die Ermittler gehen davon aus, dass Brümmer, einer der besten deutschen Kunstturner der 80er-Jahre, zuvor auch seinen Sohn getötet hat. Im Februar 2012 war der damals 13-jährige Simon bei Rot über die Straße gegangen, von einem Auto erfasst worden und hatte lebensgefährliche Kopfverletzungen davongetragen.

Diesmal konnte Jürgen Brümmer, der seine 1997 eröffnete Praxis vor viereinhalb Jahren vergrößert und eine Zusatzausbildung zum Heilpraktiker abgeschlossen hatte, aber nicht mehr entscheidend helfen. Sein Sohn blieb nach dem schweren Unfall ein Pflegefall, war gelähmt und konnte nicht mehr sprechen. Nachdem die Polizei den Leichnam Brümmers gefunden – ein Autofahrer hatte den verlassenen Wagen auf der Brücke entdeckt – und seine Ehefrau informiert hatte, fanden die Beamten den Sohn tot in seinem Bett. Die Kripo Stuttgart geht davon aus, dass er erstickt wurde. Ein Abschiedsbrief soll weiteren Aufschluss über die Tatmotive geben. Wenige Tage nach der Tragödie um die erst 19 Jahre alte Biathletin Julia Pieper, die sich am 16. Februar mit ihrem Gewehr im Haus ihrer Eltern erschossen hatte, erlebt der Sport in Deutschland eine weiteres Drama.

Brümmer war neunfacher Deutscher Meister, nahm für Deutschland an den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul sowie zwei Weltmeisterschaften und einer Europameisterschaft teil. Als Physiotherapeut arbeitete er zwischenzeitlich für die deutsche Junioren-Nationalmannschaft der Turner, die Stuttgarter Erstliga-Handballer aus Scharnhausen und die Fußballer der Stuttgarter Kickers. Über den Unfall seines Sohnes und die Folgen war er nie hinweggekommen. Er hinterlässt neben seiner Ehefrau einen 16-jährigen Sohn.