Außenpolitik

Säbelrasseln mit Prinz Charles

Der britische Thronfolger nimmt in Saudi-Arabien an einer traditionellen Zeremonie teil. Offiziell geht es bei seiner Reise um große Politik

Auf den ersten Blick sieht der Mann aus wie Lawrence von Arabien. Ein traditionelles Schwert in der Hand und in eine Robe gekleidet nimmt er an einem Schwerttanz – genannt Ardah – teil. Aber es ist nicht Lawrence von Arabien. Es ist Prinz Charles. Der britische Thronfolger nahm in Saudi-Arabien mit der saudischen Königsfamilie an einer Zeremonie teil, welche die dortige Kultur feiern sollte. Das Gewand, das der Prinz trug, war ein traditionelles, in den Golfstaaten weit verbreitetes Kleidungsstück. Dazu einen Patronengürtel über der Brust, einen goldenen Gürtel mit ebenfalls goldenem Dolch und ein traditionelles saudisches, rot-weiß kariertes Kopftuch mit schwarzem Haltering.

Am Ardah nehmen stets Hunderte Männer und Jungen teil, die mit Klingen in der Hand in Formationen tanzen. Der Tanz wird als Teil des Janadrija-Festivals dargeboten, ein jährliches, 17 Tage dauerndes Fest, das diese Woche in der Hauptstadt Riad begann.

Gastgeber des britischen Prinzen war der saudische Prinz Muqrin ibn Abd al-Aziz, ein ehemaliger Chef des saudischen Geheimdienstes, der von König Abdullah vergangenes Jahr zum zweiten stellvertretenden Premierminister ernannt wurde. Beide sollten in flüssigem Englisch parlieren können: Abd al-Aziz hat am britischen Royal Air Force College in Cranwell studiert.

Zuvor hatte Charles, mit Sonnenbrille und im klassischen, grauen englischen Anzug noch die Janadrija-Gärten in Riad besucht und unter anderem den betörenden Duft brennenden Weihrauchs eingeatmet. Der britische Thronfolger war bereits am Montagabend in Saudi-Arabien eingetroffen. Am Mittwoch reiste er nach Katar weiter. Die Nahostreise unternahm Charles auf Bitte des britischen Außenministeriums. Offiziell sollte Charles mit mehreren hochgestellten Persönlichkeiten einschließlich Außenminister Prinz Saud al-Faisal über Konflikte in der Region sprechen.

Vorwürfe von Amnesty

Prinz Charles ist schon das zehnte Mal Gast der Saudis, zuletzt war er im März 2013 im Land, damals in Begleitung seiner Frau Camilla – und ebenfalls auf Bitte der britischen Regierung. Die Menschenrechtsgruppe Amnesty International forderte, dass der Thronfolger auch für die Gastgeber unangenehme Themen ansprechen sollte. Schließlich toleriert Saudi-Arabien keine Opposition und hat kein faires Rechtssystem. Immer wieder gibt es auch Foltervorwürfe gegen die Polizei. Frauen dürfen kein Auto fahren und brauchen die Erlaubnis eines männlichen Vormunds, um zu reisen, zu arbeiten oder zu studieren. „Wenn sich die Möglichkeit für eine offene Diskussion ergeben sollte, würden wir es sicher begrüßen, wenn er sie ergreifen würde“, sagte Allan Hogarth von Amnesty International einem Bericht der britischen Tageszeitung „Daily Mail“ zufolge.

Dabei sind es wohl wirtschaftliche Interessen, die auf beiden Seiten den Takt angeben. Großbritannien verkaufte in den vergangenen fünf Jahren Waffen in Wert von fast 6,8 Milliarden Euro an die Saudis. Und kürzlich war der britische Premier David Cameron in Saudi-Arabien, um Eurofighter-Kampfflugzeuge der britischen BAE Systems anzupreisen. Bis jetzt kauft das ölreiche Land seine Kampfflugzeuge noch hauptsächlich in den USA. 130 US-Kampfflugzeugen stehen in den saudi-arabischen Luftstreitkräften 18 Eurofighter gegenüber.

Deshalb vermutet Andrew Smith von der Nichtregierungsorganisation Campaign Against Arm Trade, dass Prinz Charles in das Land gereist sein könnte, um für einen möglichen Kaufvertrag ein britisches Gebot abzugeben. „Es ist klar, dass Großbritannien alle Hebel in Bewegung setzt, um für BAE einen Vertrag auszuhandeln“, sagte er.

Blumengirlanden in Guyana

Deutsche sollten bei möglicher Kritik an den verkaufswilligen Briten jedenfalls im Sinn haben: Auch Deutschland rüstet die Saudis auf. Allein 2012 verkaufte die Bundesrepublik Rüstungsgüter im Wert von 1,24 Milliarden Euro an Saudi-Arabien – bei einem Gesamtvolumen des Rüstungsexports von 8,87 Milliarden Euro. Zuletzt wurde bekannt, dass das Land bei der Bremer Lürssen-Werft Patrouillenboote im Wert von 1,5 Milliarden Euro bestellen will. Im vergangenen Jahr hatten die Saudis 30 ABC-Spürpanzer in Deutschland geordert.

Prinz Charles trägt bei seinen Besuchen in fremden Ländern übrigens manchmal Landestracht oder üppige Blumengirlanden wie 2012 in Papua-Neuguinea. Größere Tanzeinlagen sind allerdings sehr selten. Die letzte spektakuläre stammt aus dem Jahr 2000. Ende Februar reiste Charles nach Guyana in Südamerika. Nach Stopps in einer Zuckerfabrik und einer Rum-Brennerei besuchte er den Iwokrama-Regenwald im Zentrum des Landes. Angetan mit Blumengirlanden, buntem Kopfschmuck und Sonnenbrille tanzte der britische Thronfolger mit einheimischen Frauen – etwas holperig, dafür waren keine scharfen Waffen im Spiel. Aber es ging auch nicht um große Weltpolitik.