Hochwasser

Flucht vor den Fluten

Nach wochenlangen Regenfällen ist der Südwesten Englands überschwemmt. Ein Ende des Hochwassers ist noch nicht in Sicht

Anhaltende Regenfälle verschärfen die Hochwasserlage im Süden Englands stündlich. Tausende Bewohner entlang der Themse in den südenglischen Grafschaften Surrey und Berkshire sind wegen des Hochwassers in Sicherheit gebracht worden. Das Wasser werde im Laufe des Tages weiter steigen, teilten die Behörden am Dienstag mit. Sie sprachen für 14 Gebiete entlang des Flusses Hochwasserwarnungen aus, Tausende Menschen seien in Gefahr. An einigen Stellen verzeichneten die Wasserstandsmelder die höchste Marke seit mehr als 20 Jahren. Anwohner verglichen die Situation mit „Szenen aus einem „Horrorfilm.

Einige Regionen Englands stehen nach heftigen Regenfällen bereits seit Wochen unter Wasser. London ist noch nicht betroffen. Angesichts des immer weiter anschwellenden Flusses machen sich aber auch die Menschen in London große Sorgen darüber, was die auf die Hauptstadt zufließenden Wassermaßen dort anrichten werden.

Premierminister David Cameron besuchte die Katastrophenregion in Dawlish. Dort ist die wichtige Bahnstrecke nach London unterbrochen, nachdem ein Teilstück am Strand von Dawlish durch Wellen fortgewaschen worden war. Er kündigte an, die Regierung werde alles tun, um die Hilfen für die Betroffenen zu koordinieren. Er mahnte dabei zur Geduld. „Wir müssen alles tun, aber es braucht seine Zeit, die Hilfen auf den Weg zu bringen“, sagte der Regierungschef gegenüber der BBC. Er kündigte auch finanzielle Hilfen an. Angesichts der Schäden durch die andauernden Unwetter war die Regierung von David Cameron wegen ihres Krisenmanagements in die Kritik geraten.

Sturmserie dauert an

Nach Angaben des britischen Wetterdienstes erlebt der Süden Englands gerade den womöglich regenreichsten Winter seit 248 Jahren. In einigen Gegenden des Landes war nach den Aufzeichnungen der Meteorologen von Mitte Dezember bis Ende Januar so viel Regen gefallen wie sonst in fünf Monaten. Wegen der heftigen Überschwemmungen im Südwesten Englands hat die britische Regierung bereits Hilfen von 130 Millionen Pfund (rund 155 Millionen Euro) bereitgestellt. Experten schätzen inzwischen, dass sich die Schäden durch die Fluten auf eine Milliarde Pfund (rund 1,2 Milliarden Euro) belaufen könnten. Wie der britische Wetterdienst weiter berichtet, kommt es zu den ungewöhnlich lange anhaltenden und starken Regenfällen durch eine Serie von Stürmen, die nicht abreißt. Sie werden verursacht durch einen derzeit besonders starken Jetstream über dem Nordatlantik, der viel weiter südlich verläuft als üblicherweise.

Im Nordwesten Frankreichs hat sich unterdessen die Lage nach den Überschwemmungen vom Wochenende weitgehend stabilisiert. Der französische Wetterdienst gab aber weiterhin die höchste Warnstufe für drei Departements in der Bretagne heraus. Die Niederschläge gehen den Angaben zufolge jedoch zurück. Am Wochenende war es an Flüssen in der Gegend um die Stadt Quimper in der Bretagne zu zahlreichen Überschwemmungen gekommen.

Von Unwettern werden auch die Vereinigten Staaten geplagt. Ein herannahender Wintersturm hat im Südosten der USA am Dienstag den Flugverkehr blockiert. Fast 900 Flüge wurden bis zum frühen Morgen gestrichen, wie aus dem Flugstatusdienst FlightAware hervorging. Betroffen waren mit Atlanta, Dallas und Charlotte drei der wichtigsten Flughäfen der Region.

Alleine in Atlanta, dem Hauptdrehkreuz der Fluglinie Delta Air Lines, sollten 368 der insgesamt 894 für Dienstag vorgesehenen Flüge ausfallen. Dieser neue Wintersturm könnte den Südosten zum wiederholten Mal in den letzten Wochen mit Eis und Schnee überziehen, hieß es.

Bei sintflutartigen Regenfällen und Erdrutschen im afrikanischen Burundi sind mindestens 51 Menschen ums Leben gekommen. Der Regen habe sich zu „einer regelrechten Naturkatastrophe“ in der Hauptstadt Bujumbura entwickelt, sagte Sicherheitsminister Gabriel Nizigama. Die Opfer seien beim Einsturz ihrer Häuser getötet oder von den Wassermassen fortgerissen worden. Es wurde befürchtet, dass die Zahl der Toten noch steigt.

Glimpflicher als erwartet fällt unterdessen die Bilanz der Hochwasserkatastrophe vom vergangenen Sommer in Deutschland aus. Derzeit gehe man von 1,5 bis zwei Milliarden Euro an Schäden in Sachsen-Anhalt aus, sagte der Leiter des Aufbaustabs, Burkhard Fieber. „Das ist immer noch eine gewaltige Schadenssumme“, sagte Fieber weiter. Kurz nach der Flut hatte das Land jedoch eine Summe von rund 2,7 Milliarden Euro geschätzt. Anträge, auch von Privatleuten, könnten aber auch jetzt noch gestellt werden, sagte der Vize-Leiter des Stabes, Theo Struhkamp.