Gewinnspiel

Felix, der Glückliche

24-jähriger Student aus Hannover gewinnt unter einer Million Kandidaten einen Flug ins All

Fragt man kleine Jungen, was sie später einmal werden möchten, sind die Antworten stets die gleichen: Feuerwehrmann, Astronaut, Pilot oder Lokomotivführer. Variieren mag dabei je nach Vorliebe lediglich die Reihenfolge der Traumberufe. Insofern geht für Felix Stach, Student aus Gehrden bei Hannover, ein Kindheitstraum in Erfüllung. Der 24-Jährige hatte im Internet am Gewinnspiel eines Deo-Hersteller teilgenommen – und einen Weltraumflug gewonnen. 2015 soll es losgehen. „Ich hoffe einfach, dass es ein Gefühl wird, das man noch nie im Leben vorher hatte“, sagt Felix – der Glückliche.

Vor der Erfüllung des Weltraumabenteuers gilt es die neue öffentliche Aufmerksamkeit zu meistern. „Es ist sehr komisch, auf einmal steht man in der Zeitung und beim Friseur kommen Leute und sagen ‚Hey, bist du nicht der, der ins All fliegt?‘, berichtet Felix. Nicht von ungefähr hatte der 24-Jährige an dem Gewinnspiel teilgenommen. Felix ist Raumfahrt-Fan: „Ins All zu fliegen war schon immer mein ultimativer Traum und dieser wird jetzt wahr.“ Eine Leidenschaft, die ihm dabei geholfen hat, sich im Auswahlverfahren in Florida vom 3. bis 5. Dezember gegen vier Konkurrenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durchzusetzen.

Das Ticket ins All bekam Felix Stach im Kennedy Space Center von Buzz Aldrin überreicht. Der 83-Jährige betrat am 21. Juli 1969 als zweiter Mensch der Welt kurz nach Neil Armstrong den Mond. „Es war ein überwältigendes Gefühl neben so einer Legende zu stehen“, erinnert sich Felix. Als einer von rund einer Million Interessenten aus der ganzen Welt hatte er sich um einen Platz an der Apollo Space Academy beworben. 105 Finalisten aus 60 Nationen kämpften dort um die begehrten Tickets ins Weltall. Bei Schwerelosigkeitsflügen sowie Flug- und Fliehkraftsimulationen mussten die Kandidaten ihre Eignung beweisen.

Enthusiasmus gab den Ausschlag

„Das war die beste Woche meines Lebens“, berichtet Felix über seine Erlebnisse in den USA. Vor allem die Erlebnisse als Co-Pilot eines Testflugs haben ihn begeistert. „Das hat mir am meisten Spaß gemacht. Ein Erlebnis, dass ich mit Sicherheit nicht vergessen werde.“ Zum Abschluss galt es noch einen Test zu Raumfahrt- und Physikwissen zu absolvieren. Und was hat am Ende den Ausschlag gegeben, dass er nun ins All darf? „Ich weiß nicht, ob ich was besser kann. Die Leute haben gemerkt, dass ich mit Enthusiasmus dahinterstecke. Das war ihnen ganz wichtig.“ 23 Gewinner wurden gekürt.

Bisher sind erst zehn Deutsche im Weltall gewesen. Esa-Astronaut Alexander Gerst fliegt als elfter Deutscher dieses Jahr hinauf. Er wird für eine sechsmonatige Mission zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Er wird der dritte deutsche Astronaut auf der ISS sein. Mit einem solchen Aufenthalt auf der ISS sei sein Ausflug als Weltraumtourist nicht vergleichbar, sagt Felix. „Unser Flug dauert etwa eine Stunde, wir sind fünf bis sechs Minuten schwerelos in 103 Kilometern Höhe. Dann darf man sich offiziell Astronaut nennen.“

Der angehende Betriebswirt Stach arbeitet neben seinem Studium bei einem Privatradio in Garbsen bei Hannover. Sein Abenteuer an Bord der Lynx Mark II wird voraussichtlich erst Ende 2015 starten. Lynx ist ein zweisitziges Raketenflugzeug des Herstellers „XCOR Aerospace“. Neben dem Piloten kann eine wissenschaftliche Nutzlast oder eine zweite Person im Cockpit transportiert werden. Lynx kann von einem normalen Flughafen abheben. Das Flugzeug startet mit seinen eigenen Triebwerken. In einer Höhe von etwa 60 Kilometern werden die Triebwerke abgeschaltet. Das Flugzeug steigt dann weiter bis in eine Höhe von 103 Kilometern. Beim Wiedereintritt werden Kräfte von 4 G auf Felix Stach einwirken. Lynx-Flüge dienen sowohl dem Weltraumtourismus, als auch der Wissenschaft für Gravitationsexperimente. Die touristische Vermarktung erfolgt über die Firma Space Expedition Corporation. Der Preis für einen Flug, wie Stach ihn absolvieren darf, liegt bei 100.000 US-Dollar. „Bisher haben über 250 Tickets bereits verkauft. Die meisten davon für Mark II“, sagt „XCOR“-Vorstandschef Jeff Greason.

Für den jungen Mann ein Flug ins Ungewisse. „Ich glaube, dass es passieren kann, dass man seine Lebenseinstellung ändert.“ In jedem Fall gehe für ihn ein Kindheitstraum in Erfüllung. „Es ging damit los, dass ich mit meinem Opa jede Woche im Flugzeugmuseum oder am Flughafen war.“ Eigentlich wollte er Jet-Pilot bei der Bundeswehr werden, über seine Ausmusterung wegen eines Rückenschadens ärgert er sich noch heute. Felix Stach hätte nie damit gerechnet, dass er beim Gewinnspiel ausgelost werden würde. Erst durch einen Anruf erfuhr er, dass er ins Auswahlcamp eingeladen wurde. „Ich hatte die Mails vorher alle ungeöffnet gelöscht, weil ich dachte, es sei Werbung.“