Überlebenskünstler

Schiffbrüchiger nach Odyssee erstaunlich fit

José Salvador Alvarenga überlebte 14 Monate auf See. Viele Zweifel an Schilderung ausgeräumt

Die Geschichte von José Salvador Alvarenga, der Ende letzter Woche von Einheimischen des Ebon-Atolls der pazifischen Marshallinseln nackt am Strand gefunden wurde, ändert sich in Details von Tag zu Tag. Das ist nicht verwunderlich. Denn sollte die Geschichte stimmen, hat der Mann 14 Monate in einem kleinen, offenen Boot auf hoher See verbracht. Er ist psychisch und physisch angeschlagen.

Der 37-jährige Fischer erzählte dem lateinamerikanischen Sender Telemundo und der britischen „Daily Mail“ jetzt ausführlicher, was geschah, seitdem er vor 14 Monaten mit seinem 15-jährigen Kompagnon Ezekiel von Mexiko aus zum Fischen fuhr. Am 21. Dezember 2012 sei der 75-PS-Motor des Acht-Meter-Fiberglasboots kaputtgegangen, erzählt er. Seitdem sei er auf dem manövrierunfähigen Boot durch Winde und Strömungen getrieben. 12.500 Kilometer habe er zurückgelegt, sich von Fischen, Schildkröten und Vögeln ernährt, deren Blut er trank. Außerdem nahm er Regenwasser und seinen eigenen Urin zu sich. Sein Kompagnon Ezekiel sei nach vier Monaten auf hoher See gestorben.

Bei manchen Beobachtern kamen Zweifel auf, ob der Mann wirklich die Wahrheit sagt, so änderten sich Details seiner Geschichte. Und der Außenminister der Marshallinseln, Gee Bing, wunderte sich über den recht wohlgenährten Eindruck, den Alvarenga machte: „Er war nicht abgemagert wie andere Überlebende.“ Allerdings vermehren sich die Anzeichen, dass der Mann wirklich die Wahrheit sagt.

Und es gelang der Zeitung „El Mundo“ aus El Salvador, Alvarengos Vater José Ricardo Orellana zu finden. „Ich fühle eine Mischung aus Trauer und Freude“, sagte der Vater. „Ich hatte gehört, dass er auf See verschwunden war, aber ich habe immer für ihn gebetet.“ Auch die 14-jährige Tochter Alvarengas wurde in der salvadorianischen Provinz Ahuachapán ausfindig gemacht, wo sie bei den Großeltern lebt. Vertreter der amerikanischen Regierung auf den 60.000-Einwohner-Marshallinseln zweifeln kaum noch an der Geschichte Alvarengas.

Für den Mann kam Ende letzter Woche der große Tag. Alvarenga erwachte am Morgen – wie er glaubt durch ein Zeichen Gottes – und sah einen Vogel am Rand seines Bootes sitzen.

„Ich kroch sehr leise an das Tier heran, fasste es, riss den Kopf ab und trank das Blut, wie ich es immer gemacht hatte. Als ich den Kopf zum Trinken zurückwarf, sah ich Land.“ Es gelang ihm, durch das flache Wasser halb schwimmend, halb torkelnd den Strand zu erreichen, wo er zusammenbrach. „Es hatte lange gedauert, den Strand zu erreichen, und als ich ankam, war schon früher Abend. Ich schlief sofort ein.“

Alvarenga ist äußerlich in einem erstaunlich guten Zustand für jemanden, der mehr als ein Jahr ohne Versorgung auf offener See verbrachte. Allerdings sagt Dr. Roner Mendoza, ein philippinischer Arzt, der seit zwei Jahren auf den Marshallinseln praktiziert und den Geretteten untersucht hat, dass Alvarengas Leber Schaden genommen habe. Dies könnte durch das Trinken des eigenen Urins, Schildkrötenblut und anderen Flüssigkeiten verursacht worden sein.