Imageschaden

Das Callgirl und der Dribbler

Sex-Affäre bleibt für Bayerns Fußballstar Franck Ribéry ohne Folgen – juristisch. Doch sein Image in der Heimat ist angekratzt

Franck Ribéry kann sich von jetzt an wieder voll auf seine fußballerische Karriere konzentrieren. Ein Pariser Gericht hat den Star des FC Bayern München am Donnerstag vom Vorwurf der sexuellen Beziehungen mit einem minderjährigen Callgirl freigesprochen. Ebenfalls einen Freispruch in derselben Sache erhielten Ribérys Schwager sowie sein Nationalmannschaftskollege Karim Benzema. Es sei nicht nachweisbar, dass die beiden Profifußballer wussten, dass das Escort-Girl Zahia Dehar zu dem Zeitpunkt minderjährig war, da sie ihre sexuellen Dienstleistungen anbot – so begründete der Vorsitzende der 16. Kammer des Pariser Strafgerichts, Denis Couhé, sein Urteil.

Karim Benzema hatte stets bestritten, Zahia Dehar überhaupt je begegnet zu sein. Weder die beiden Fußballer noch die mithilfe der Affäre zur B-Prominenten mit eigener Dessous-Kollektion aufgestiegene Zahia Dehar waren bei dem Prozess anwesend. Zahia Dehar, die der Modezar Karl Lagerfeld mittlerweile unter seine Fittiche genommen hat und als „moderne Kurtisane“ anpreist, hatte von vornherein darauf verzichtet, als Nebenklägerin aufzutreten. Sie hatte stets beteuert, ihren Klienten gegenüber behauptet zu haben, sie sei volljährig.

Die Affäre hat ihrer Karriere zumindest materiell eher genutzt als geschadet. Im französischen Prominenten-Stadl ist sie seither eine etablierte Größe mit beträchtlichem Marktwert. Franck Ribérys Anwalt Carlo-Alberto Brusa hatte zu Beginn des Verfahrens auf diesen Umstand diskret hingewiesen. Nach dem nun ergangenen Urteil zeigte er sich zufrieden: „Mit diesem Freispruch wird ein Kapitel geschlossen“, erklärte Maître Brusa. „Er wird nun wieder für Bayern kämpfen und für die französische Nationalmannschaft“, sagte der Anwalt über seinen Mandanten.

Ribéry hatte zugegeben, zu Zahia Dehar sexuelle Beziehungen unterhalten, jedoch stets bestritten, ihr dafür 700 Euro gezahlt zu haben. Diese Summe wurde im Laufe des Verfahrens mehrfach genannt. Karim Benzema war verdächtigt worden, Zahia Dehar im Mai 2008 500 Euro für sexuelle Dienste in einem Pariser Hotel bezahlt zu haben. Dies hat der Stürmer von Real Madrid jedoch stets bestritten.

Die Affäre war kurz vor der Fußballweltmeisterschaft 2010 ruchbar geworden – bei der die französische Nationalmannschaft sang- und klanglos ausschied und weniger auf dem Platz als vor allem durch einen Spielerstreik von sich reden machte.

Der ungeliebte Fußballstar

Gilt Ribéry beim FC Bayern mittlerweile als hart arbeitender, genialischer Individualist, der sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen weiß und nebenbei nicht nur durch seine Dribblings, sondern auch durch sein lustiges Deutsch und seine fröhlichen Scherze für chronisch gute Laune sorgt, so sieht man in ihm in Frankreich tendenziell eher die Verkörperung all dessen, was mit Frankreichs Fußballern schiefläuft: einen kritikunfähigen, überbezahlten, egozentrischen Schnösel, dessen Leistungen im Trikot der „Bleus“ meist hinter seinen Ankündigungen zurückbleiben.

Dass er seiner Ehefrau zuliebe zum Islam übertrat, scheinen ihm viele Franzosen ebenso wenig zu verzeihen wie seine Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen im tristen Boulogne-sur-Mer. In Frankreich ist es nicht Ribéry, der die Witze macht. Die Franzosen machen Witze über Ribéry.

Für das gespaltene Verhältnis, das das Land zu seinem besten Fußballer unterhält, scheint bezeichnend, dass die Zahl derjenigen, die ihn öffentlich bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres unterstützten, weitaus geringer war als die Zahl seiner Fürsprecher in Deutschland. Die Nachwehen der Zahia-Affäre haben diese Affektstörung eher verfestigt. Der Freispruch allein wird daran wenig verändern. Damit seine Landsleute ihn ins Herz schließen, wird Ribéry ihnen wohl im Sommer den Weltmeisterpokal aus Brasilien mitbringen müssen.

Während Franck Ribérys Schwager sich ebenfalls über einen Freispruch freuen konnte, verhängte das Gericht Bewährungsstrafen gegen fünf weitere Angeklagte, die im Umfeld der Bar „Zaman Café“ in der Nähe der Champs-Élysées mehr oder minder zuhälterischen Tätigkeiten nachgegangen waren. Das mittlerweile geschlossene „Zaman Café“ war das Zentrum der Aktivitäten von Zahia Dehar. Die beiden ehemaligen Betreiber wurden zu Haftstrafen von 18 beziehungsweise zwölf Monaten verurteilt. Zudem müssen sie Geldstrafen von 5000 und 20.000 Euro bezahlen.