Fernsehen

Lanz kann seine Gäste auch einfach mal reden lassen

Anspielung bei „Wetten, dass..?“ auf Online-Petition irritiert

Karlsruhe - Für seinen ersten großen Auftritt in diesem Jahr hatte Markus Lanz sich eine vorauseilende Verteidigung ausgedacht: Er wolle es etwas gemütlicher angehen lassen, verkündete er zu Beginn von „Wetten, dass..?“ - das sei ihm in den letzen Tagen ja auch gut gelungen. Das Publikum reagierte eher irritiert – früher musste Thomas Gottschalk an dieser Stelle den rasenden Applaus für drei auswendig gelernte Witzchen zum Zeitgeschehen bremsen. Lanz dagegen spielte auf eine Petition im Internet an, die das ZDF dazu auffordert, den Moderator zu entlassen, weil er der Politikerin Sahra Wagenknecht in seiner Talkshow mehrfach über den Mund fuhr. 200.000 Unterstützer haben sich angeblich bereits gemeldet. Doch Lanz steht.

Zwar ist die Einschaltquote des Unterhaltungsdampfers empfindlich gefallen, und für seine teils nassforschen, teils zerstreuten Auftritte bei „Wetten, dass..?“ wurde er bereits ordentlich gezaust. Der Kritik von Tom Hanks, der dem ihm unverständlichen Treiben drei Stunden zusehen musste, wurde damit begegnet, dass nun gar kein Filmstar mehr die komplette Sendedistanz absolvieren muss. In Karlsruhe war Liam Neeson ohnehin der einzige Gast, der im weitesten Sinne mit Hollywood assoziiert werden kann. Neeson saß etwa eine halbe Stunde auf dem Sofa und verabschiedete sich dann, weil ihn wichtige Verpflichtungen in Paris erwarteten. Peter Maffay raunte er bei seinem Abgang zu: „60 ist the new 40!“, was den Sänger allerdings nicht zu erheitern schien. „Großartiger Song!“ befand Neeson jovial. Es hätte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein können.

Anstelle von Cindy aus Marzahn respektive Michelle Hunziker assistierte diesmal Atze Schröder, das Urgestein der deutschen Zote. Mit zwei quälenden Monologen säftelte sich der Komiker durchs fade Programm und feuerte die Ex-Boxerin Regina Halmich an, die als Patin der sogenannten Stadtwette vorstand: Hundert Männer sollten in der Arbeitstracht des Bauarbeiters von Village People in der Halle erscheinen – eine Vorgabe, die präzise erreicht wurde.

Markus Lanz brachte die Sendung eine Minute vor dem verabredeten Schluss zu Ende. Er hatte sich keine größere Peinlichkeit erlaubt und die Gäste ausreden lassen. Die Chancen stehen gut, dass es diesmal ohne Shitstorm abgeht.