Steuerhinterziehung

Ermittler suchen Maulwurf

Razzia im Fall Hoeneß. Bayern-Präsident verklagt die bayrischen Finanzbehörden

Im Steuerfall des FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß gerät nun auch das Finanzamt ins Visier der Staatsanwaltschaft. Aufgrund einer Strafanzeige des Fußballmanagers würden Objekte der bayerischen Finanzverwaltung durchsucht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München am Donnerstag. Die Ermittler gingen der möglichen Verletzung von Steuer- und Dienstgeheimnissen nach, weil Unterlagen aus Hoeneß’ Steuerakte in die Hände von Journalisten gelangt waren. Hoeneß muss sich wegen Steuerhinterziehung ab 10. März vor Gericht verantworten. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Hoeneß, der den erfolgreichsten deutschen Fußballclub seit langem prägt, hat selbst eingeräumt, ein Konto in der Schweiz jahrelang vor dem Finanzamt verheimlicht zu haben. Parallel dazu ging der Sportmanager zum Gegenangriff über: Weil den Medien offenbar vertrauliche Steuerunterlagen zugespielt wurden, erstattete er im Mai vergangenen Jahres Strafanzeige. Verletzung von Steuergeheimnissen wird mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft. Staatsdienern drohen bei Verrat von Dienstgeheimnissen sogar bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe.

Den Ausschlag für die Durchsuchungen gab nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Steuerdokument, mit dem Journalisten Hoeneß im Oktober konfrontierten. Dabei habe es sich „um ein reines internes Dokument der Finanzverwaltung“ gehandelt. „Wir prüfen nun, wer Zugriff auf die elektronischen und die Papierakten von Herrn Hoeneß hatte“, sagte der Sprecher.

Durchsucht wurden dem Bayerischen Rundfunk zufolge das für Hoeneß zuständige Finanzamt in Miesbach und das Rechenzentrum des Landesamtes für Finanzen in Nürnberg. Die Staatsanwaltschaft und das Landesamt für Finanzen wollten sich dazu nicht äußern.

Hoeneß hatte sich Anfang des vergangenen Jahres unter Mitwirkung seiner Berater selbst angezeigt. Allerdings war die Selbstanzeige, die Steuerhinterzieher unter bestimmten Umständen vor Strafe schützt, nach Ansicht der Behörden fehlerhaft. Daher erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Sie ließ Hoeneß vorübergehend verhaften und durchsuchte sein Haus am Tegernsee und seine Büroräume. Gegen eine Kaution in Millionenhöhe kam er wieder frei. Hoeneß bekräftigte mehrfach die Auffassung, seine Selbstanzeige sei wirksam gewesen.

Der Fall löste eine breite Diskussion über das Thema Steuerehrlichkeit aus. Die FC-Bayern-Fans gaben Hoeneß überwältigende Rückendeckung. Ein Angebot des Managers, sein Amt als Aufsichtsratschef ruhen zu lassen, lehnte das Kontrollgremium ab. Im Aufsichtsrat sind alle maßgeblichen Sponsoren des Rekordmeisters vertreten: Adidas-Chef Herbert Hainer und Audi-Chef Rupert Stadler fungieren als Stellvertreter von Hoeneß.