Fernsehen

Einmal ein König

Der Berliner Winfried Glatzeder bringt Niveau ins „Dschungelcamp“

Seine Kollegin Hansi Jochmann hatte fassungslos gefragt: „Braucht er Geld?“ In der ersten Sendung der diesjährigen Staffel von „Ich bin ein Star - holt mich hier raus!“ gab der Berliner Schauspieler Winfried Glatzeder, 68 Jahre alt, gestern Abend eine andere Erklärung: Er wolle endlich bekannt werden. Während er im Theater in mehr als vier Jahrzehnten kaum zwei Millionen Menschen erreicht habe, könne man sich mit einem einzigen Fernseh-Auftritt acht Millionen Zuschauern vorstellen! Allerdings unterschlug Glatzeder, dass er in dem Kinofilm „Die Legende von Paul und Paula“ (1973) eine Hauptrolle spielt – es handelt sich immerhin um den Lieblingsfilm der Kanzlerin. Und „Tatort“-Kommissar war er auch einmal. Angela Merkel werde ihm auch jetzt zuschauen, prophezeite Glatzeder. Ihm war nicht genau anzusehen, ob es Ironie oder Verzweiflung war.

Mit nass zurückgekämmter Löwenmähne fuhr der Senior im Motorboot vor und erklärte, er würde sich sehr über den Sieg freuen, weil die daheimgebliebenen Zweifler dann seinen Triumph erleben müssten. Herbert Köfer etwa wunderte sich: „Ich kann seinen Entschluss nicht nachvollziehen. Er wird sich nicht auf das Niveau der anderen Kandidaten herablassen, nicht mit ihnen streiten. Aber wenn er schon mal im Dschungel ist, soll er auch König werden.“ Dagmar Biener, die mit Glatzeder im „Jedermann“ auftrat: „Eigentlich gehen Leute ins Dschungel-Camp, die mal wieder in der Öffentlichkeit stehen wollen. Aber das hat Winfried Glatzeder gar nicht nötig.“ Und Ilja Richter bemerkte kritisch: „Schauspieler machen in Diktaturen manches auf Druck des Propaganda-Ministers von außen und in Demokratien einiges auf Druck des Künstlers von innen. Letzteres freiwillig! In beiden Fällen putzt der Künstler damit entweder das Image des Diktators oder das Diktat des Senders.“

Im Vorspann brummt der Schauspieler tapfer mit dem sonoren Bass des seligen Schurken-Darstellers Horst Frank, nun könne er endlich seine „Bösartigkeit ausleben“, Freunde habe er nicht. Mit ins Camp nahm er einen Schuhlöffel und entzündete sogleich das Lagerfeuer. Aus dem Basislager meldete er sich dann mit Unverständnis für die hysterische Blondine Larissa: „Sie macht mich wahnsinnig!“ Er habe bereits Kopfschmerzen.

Ein Theaterkritiker würde konstatieren, dass Winfried Glatzeder seine Rolle zwischen Jago und König Lear noch nicht konsequent angelegt hat. Patent zeigte er Larissa, wie der Rucksack zu öffnen ist, und gab den Anstoß zur ersten Aussprache. Eine Umarmung von dem enervierenden Model lehnte er ab. Manches deutet darauf hin, dass er, belehrend und ein wenig wunderlich, den friedfertigen Außenseiter geben wird: „Ich versuche hier, auf nicht genussvolle, aber halbwegs gute Art zu überleben.“ Dschungel-König nicht ausgeschlossen.