Entsorgung

Auf dem Weg nach nirgendwo

Das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ soll im Juni abtransportiert werden. Wohin, ist unklar

Im Juni 2014 ist es so weit. Zweieinhalb Jahre nach der Havarie vor der Küste der Mittelmeerinsel Giglio wird das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ abgeschleppt. „Wir bestätigen den Zeitplan“, sagte Franco Gabrielli, der Leiter des italienischen Zivilschutzes, am Freitag in Rom. Anwesend waren neben Gabrielli noch Michael Thamm, der deutsche Vorstandschef der Gesellschaft Costa Cruises, und Andrea Orlando, der italienische Umweltminister.

„Die nächsten Touristen werden das Schiff vor Giglio nicht mehr sehen“, sagte Orlando. „Triumphalismus wäre jetzt angesichts eines solch tragischen Ereignisses fehl am Platze. Aber wir sind zufrieden, in welcher Weise das ganze Problem angegangen wurde. Wir befinden uns zwar immer noch in einer delikaten Phase, doch wir können mit Genugtuung sagen, dass wir die zeitlichen Ziele eingehalten haben.“

Unklar ist weiterhin, in welchen Hafen die „Costa Concordia“ abtransportiert wird. Mehrere italienische und ausländische Häfen streiten sich um das Wrack des Kreuzfahrtschiffes. Sie versprechen sich von der Verschrottung des 115.000 Tonnen schweren Schiffs etliche neue Arbeitsplätze. Im Rennen sind Piombino, Genua, Palermo und Civitavecchia, aber auch von der Türkei ist die Rede. Die Regierung in Rom bevorzugt eine italienische Lösung. „Das wäre uns am liebsten“, sagte Umweltminister Orlando.

Am 13. Januar 2012 kenterte die „Costa Concordia“ mit mehr als 4000 Passagieren an Bord vor der Küste Giglios. 32 Menschen starben, darunter zwölf Deutsche. Die „Costa Concordia“ lag seitdem vor dem Hafen der Mittelmeerinsel. Der Chef der Reederei, Thamm, erläuterte, die Kosten für die aufwendige Bergung des aufgerichteten Schiffes würden jetzt auf mehr als 600 Millionen Euro geschätzt, ohne den Transport gerechnet. Das Wrack liege stabil vor Giglio, sagten Experten in Rom.

Die gewaltige Dimension des Schiffs erforderte eine aufwendige riskante Bergung. Vom 16. auf den 17. September 2013 wurde das Wrack in eine aufrechte Position gezogen. Hunderte Medienvertreter verfolgten das aufsehenerregende Manöver live. Der Südafrikaner Nick Sloane, der den Einsatz der Bergungsunternehmen Titan und Micoperi leitete, wurde in Italien als Held gefeiert. Die „Costa Concordia“ wird derzeit für den Abtransport vorbereitet. Der riesige Schlepper der holländischen Reederei Dockwise steht bereits bereit.

Sachverständige gehen an Bord

Auch die juristische Aufarbeitung der Katastrophe geht weiter. Seit Juli 2013 wird dem Kapitän Francesco Schettino in der toskanischen Stadt Grosseto der Prozess gemacht. Während Schettino beharrlich aussagte, die Reederei Costa Crociere habe den gefährlichen Kurs angeordnet, gab diese den Schwarzen Peter immer wieder zurück: Der Kapitän sei verantwortlich. Bis zu 20 Jahre Haft drohen Schettino. Bislang sieht es für den Neapolitaner nicht gut aus. Ausgesagt haben der Erste Offizier Ciro Ambrosio, der Leiter der Küstenwache von Piombino, Gregorio De Falco, und die Tänzerin und Hostess Domnica Cemortan, die als Passagier in der Unglücksnacht nicht von der Seite des Kapitäns wich. Für nächste Woche sind die nächsten Anhörungen angesetzt. Allerdings könnten sie ausfallen, da in Italien die Anwälte streiken. Als Zeugen aussagen werden Feuerwehrleute der Insel Giglio und das Bodenpersonal von Costa Cruises.

Für die Beweisfindung werden Sachverständige am 23. Januar erstmals an Bord des Wracks gelassen. Auch Vertreter des Angeklagten Schettino werden sich auf der „Costa Concordia“ umschauen. Das ist möglich, weil die Stockwerke sieben bis elf nach der Hebung wieder begehbar sind. Ein weiterer Termin ist bereits festgelegt: Am 27. Februar steht der Notstromgenerator im Fokus. Der Dieselmotor funktionierte in der Unglücksnacht nicht. Der Ausfall des Generators erschwerte die Evakuierung der Passagiere.

Am kommenden Montag jährt sich also das Unglück erneut. Zunächst gedenken Insulaner und angereiste Angehörige der Opfer am Vormittag in einer Messe der Toten. Abends um 21.45 Uhr und sieben Sekunden, dem exakten Zeitpunkt des Aufpralls, soll sich an Giglios Kirche eine Prozession in Bewegung setzen. „Sie endet dann an der Hafenmole, wo wir eine Gedenktafel für die Opfer aufgestellt haben, mit einem Gebet“, sagte Bürgermeister Sergio Ortelli der Nachrichtenagentur dpa. Nie wieder ein solches Desaster, lautet eine Botschaft des Gedenkens auf der Ferieninsel, die sich Normalität zurückwünscht.