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Wie ein Bielefelder Obstverkäufer König in Ghana wurde

Didi De Graft reist als Obstfachverkäufer durch 92 deutsche Märkte einer Lebensmittelkette und kurbelt den Umsatz an.

Wenn er mal keine Kunden bedient und Urlaub hat, beginnt für ihn erst recht die Arbeit: Jedes Jahr reist der 47-Jährige mit seiner Familie nach Ghana, um dringende Amtsgeschäfte zu erledigen. Denn dort ist er König.

De Graft wurde in dem afrikanischen Land geboren. Seine kleine Stadt heißt Suma Ahenkro und liegt unweit der Grenze zur Elfenbeinküste. Er ist dort aufgewachsen, hat Abitur gemacht und kam 1989 nach Hamburg, um Betriebswirtschaft zu studieren. „Meine Eltern haben mich unterstützt, aber es war sehr schwierig“, sagt De Graft. Darum begann er eine Kaufmannslehre bei einem Pharmagroßhändler, bevor er 1993 bei der Supermarktkette anfing.

Und wie wird man nun Tausende Kilometer entfernt König? „Ich komme aus einer Königsfamilie“, sagt De Graft. Die Königswürde werde innerhalb der Familie weitergegeben. „Ich bin der Nachfolger meines Onkels.“ Der habe 2009 abgedankt, seitdem ist De Graft nach eigenen Angaben offiziell König von Suma. Wenn der König in Ghana ist, müsse er nicht nur repräsentieren. „Ich schlichte Streitereien, urteile bei kleineren Vergehen, entscheide über die Verwendung von Grundstücken. Und ich darf Ehen schließen“, sagt er.

1995 lernte De Graft Lisa kennen. „Beim Tanzen“, sagt die Königin mit dem offiziellen Namen Akussia Amankana. Es habe nie Probleme mit den Familien gegeben, weder in Ghana noch in Bielefeld, versichern beide. Ob der zwölfjährige Sohn Marvin auch mal König werden will? „Darüber hab ich mir noch keine Gedanken gemacht“, sagt er. Eine kleine Familienkrise steht am 21.Juni an. Dann wird Ghana bei der Fußball-WM in Brasilien gegen Deutschland spielen. Der König ist tapfer: „Dann stehe ich hinter meinen Leuten“, womit in diesem Fall die Kicker aus Ghana gemeint sind. Marvin drückt beiden die Daumen.