Klima

Kälte in den USA, Frühling in Berlin

Am Dienstag könnte es in der Hauptstadt mit zwölf Grad einen neuen Wärmerekord geben

Während es in Berlin für die Jahreszeit ungewöhnlich warm ist, kämpft ein Drittel der US-Amerikaner mit heftigen Schneefällen und klirrender Kälte. Der Westen der britischen Inseln hingegen leidet unter starkem Regen und Überflutungen.

In Berlin hält das milde Wetter auch in den kommenden Tagen an. „Am Dienstag erwarten wir bis zu zwölf Grad Celsius“, sagte Diplom-Meteorologe Jürgen Schmidt vom Wetterdienst Wetterkontor der Berliner Morgenpost. Das wäre ein neuer Tagesrekord für die Hauptstadt. 2005 lag der bisherige Spitzenwert am 7. Januar bei 11,2 Grad Celsius. Am Dienstag können vormittags ein paar Regentropfen fallen, dann lockert es auf, und es wird ein freundlicher Tag mit frischem Wind. In der Nacht sinken die Temperaturen auf sechs Grad.

Aber der Winter ist noch nicht vorüber. „Letztes Jahr war es auch lange mild, und im Februar kam auf einmal die Kälte“, sagte Schmidt. Die Tendenz sei jedenfalls fallend. Ab Sonntag rechnet der Meteorologe mit sinkenden Temperaturen. Doch ob es tatsächlich ab Mitte des Monats frostig wird, „das kann man so früh nicht beurteilen“.

Ganz Deutschland befindet sich im Tauwetter. In Berlin ist das bisher ruhig verlaufen, doch andernorts führte das milde Wetter zu Unwettern. Orkantief „Anna“ wütete am Wochenende mit einer Gewitterfront über Nordrhein-Westfalen. In Erkelenz starb am Freitag eine junge Frau, als eine heftige Windböe eine frisch gemauerte Wand umwarf und die 23-Jährige unter sich begrub. In Essen setzte ein Blitz die höchste Kirche der Stadt in Flammen.

Neue heftige Stürme haben am Montag auch in Großbritannien große Verkehrsprobleme ausgelöst. Doch auf der Insel kommt Hochwasser hinzu, und so wurde vielen Menschen der Weg zum ersten Arbeitstag nach den Weihnachtsferien erschwert. Vor allem im Südwesten Englands, in Wales und in Schottland waren Straßen überschwemmt und Zugfahrpläne durcheinander. Zahlreiche Pendler hatten Probleme, zu ihren Arbeitsplätzen zu kommen. Der Wetterdienst warnte vor neuen Unwettern im Laufe des Tages. Vor allem an der Küste seien teils „kolossale Wellen“ zu erwarten, teilten Meteorologen mit. Bereits seit Tagen sind zahlreiche Regionen in Großbritannien von wiederkehrenden Stürmen und Hochwasser betroffen, seit Silvester starben drei Menschen. Aber in der ersten Arbeitswoche des neuen Jahres sieht es aus, als ertrinke die Insel förmlich in der tosenden Wut der Elemente. Wegen der vielen Regenfälle hat der Boden längst die Kraft verloren, mehr Nässe zu absorbieren.

Wellen reißen Menschen mit

Eine Riesenwelle hat im Nordwesten Spaniens drei Mitglieder einer Familie bei einem Spaziergang am Ufer erfasst und in den Atlantik gerissen. Ein Mann, seine Tochter und sein Schwager wurden auch Stunden nach dem Zwischenfall am Montag noch vermisst, wie die Behörden des Badeortes in der Region Galicien am Abend mitteilten. Eine weitere Welle hat in der nordportugiesischen Stadt Porto am Montag dutzende Autos mit sich gerissen. Bei dem Vorfall an der Mündung des Flusses Douro seien am späten Nachmittag vier etwa 60 Jahre alte Menschen leicht verletzt worden, teilten Rettungskräfte mit.

Jenseits des Atlantiks kämpfen der Nordosten und der mittlere Westen der USA mit einer Kältewelle. In einigen Regionen wurden am Sonntag und Montag bis zu minus 29 Grad Celsius gemessen. Aufgrund der starken Winde („Windchill-Faktor“) ergab das gefühlte Temperaturen von minus 44 Grad. 140 Millionen Menschen, jeder dritte US-Amerikaner, sind betroffen. Meteorologen warnten vor schweren Schäden für den Getreideanbau vor allem in Kansas und Nebraska. Für die kommenden Tage zeichnet sich keine wesentliche Entspannung ab. Viele Schulen blieben geschlossen. Tausende Flüge sind ausgefallen oder verspätet. Kalte Luft erfasst sogar die eher sonnenverwöhnte Golfküste.