Kriminalität

„Toter“ Bankbetrüger bei Verkehrskontrolle geschnappt

Aubrey Price beging angeblich Selbstmord, nachdem er Investoren betrogen hatte

Als Aubrey Lee Price im Jahr 2009 die ins Schlingern geratene Montgomery Bank & Trust im US-Bundesstaat Georgia übernahm, feierten ihn die Medien als weitsichtigen Geschäftsmann. Mit neuen Investoren und Geldspritzen in Millionenhöhe wollte der heute 47 Jahre alte Vermögensverwalter dem Geldinstitut zu neuer Blüte verhelfen. Doch was Price so überzeugend angekündigt hatte, entpuppte sich später als Betrug. Als ihm die Behörden im Sommer 2012 auf die Schliche kamen, tauchte Price mit mehreren Millionen Dollar unter. Damit niemand nach ihm sucht, hatte er in einem Abschiedsbrief seinen Selbstmord angekündigt. Ein Richter erklärte ihn später offiziell sogar für tot. Nur das FBI glaubte die Geschichte nicht und setzte Price auf die Liste der meistgesuchten Verbrecher.

Und das FBI hatte recht: Eineinhalb Jahre später ist die Flucht des „toten“ Vermögensbetrügers zu Ende. Price ging den Fahndern durch Zufall ins Netz. Die Polizei hatte ihn bei Brunswick in der Nähe von Jacksonville in Florida in einer Verkehrskontrolle gestoppt. Der Banker, der Anzug in seinem neuen Leben gegen T-Shirt getauscht hatte, war in einem Auto unterwegs, dessen Scheiben zu dunkel getönt waren. Ein Vergehen, für das man in den USA einen Strafzettel von 150 Dollar bekommt sowie die Aufforderung, die Scheiben zu tauschen. Zumindest der Fahrer muss durch die Scheibe klar erkennbar sein. Für Price könnte die Ordnungswidrigkeit jetzt bis zu 30 Jahre Gefängnis bedeuten – wegen seines Betruges.

„Er hat den Polizisten einen falschen Namen und eine falsche Adresse gegeben“, sagte Jay Jones von der Polizei von Glynn County in Georgia. Und auch sein Geburtsdatum stellte sich nach einer Überprüfung als erfunden heraus. Auf der „Most Wanted“-Liste des FBI wird Price bereits als „festgenommen“ geführt. Was der Millionenbetrüger in den vergangenen eineinhalb Jahren gemacht hat, weiß das FBI bisher noch nicht, er wird noch vernommen. Auch die Frage, ob seine Familie die ganze Zeit wusste, dass Price noch am Leben war, ist laut FBI-Agent Stephen Emmett noch unklar. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.“ Der „tote Banker“ sollte am Donnerstag vor Gericht erscheinen.

Das FBI war während seiner Fahndung davon ausgegangen, dass sich Price nach dem Auffliegen seines Betruges zunächst nach Südamerika abgesetzt hatte. Er soll in Venezuela und Guatemala Wohnungen besessen und dort auch als Vermögensverwalter Geschäfte gemacht haben. Dorthin soll er auch Teile seines erschwindelten Geldes überwiesen haben. Wie viel davon noch übrig geblieben ist, ist nicht bekannt. Nach der Anklageschrift der Bundesbehörden hat Price von insgesamt 115 Investoren geschätzte 40 Millionen Dollar eingesammelt. Größere Summen davon verlor Price später durch riskante Finanztransaktionen, einen anderen Teil – vermutlich bis zu 17 Millionen Dollar – überwies er auf seine eigenen Konten. Seine Investoren merkten davon zunächst nichts. Die Papiere, die die Geschäfte bestätigten, hatte Price gefälscht.

Als sein Schwindel aufzufliegen drohte, erklärte Price seiner Familie im Juni 2012, dass er geschäftlich nach Guatemala reisen müsse. Zwei Tage später, das FBI hatte bereits die Fahndung nach ihm ausgeschrieben, erhielt seine Frau einen Abschiedsbrief. Darin kündigte er nicht nur seinen Selbstmord an, sondern erklärte, dass er durch seine Börsentransaktionen größere Summen verloren habe. Für die Staatsanwaltschaft gilt das Schreiben als ein Beweis für den begangenen Betrug. „Meine Depressionen, meine Mutlosigkeit machen es mir emotional unmöglich, mein Leben fortzusetzen“, heißt es in dem Brief. Dann kündigte er an, „Mitte des Monats“ auf der Fähre von Key West nach Fort Meyers (Florida) über Bord zu springen und Selbstmord zu begehen. Das FBI konnte Price später auf einer Überwachungskamera der Fähre identifizieren. Trotz einer intensiven Suche der US-Küstenwache wurde seine Leiche nicht gefunden.

Seitdem fehlte von Price jede Spur. Nach einem Antrag der Familie erklärte ein Richter den Mann für tot. Allerdings konnte seine sechs Meter lange Yacht bis heute nicht gefunden werden. Das FBI vermutete deshalb die ganze Zeit, dass Price sich damit abgesetzt hatte. Das sollte sich jetzt bestätigen.