München

Angetrunkener U-Bahnfahrer überrollt Betrunkenen

Angestellter hatte 1,0 Promille Alkohol im Blut. Opfer wollte sich vermutlich umbringen

In der Münchner U-Bahnstation Candidplatz ist ein 25 Jahre alter betrunkener Mann direkt vor einem einfahrenden Zug ins Gleisbett gestürzt und überrollt worden. Laut Polizei konnte der Fahrer nicht mehr rechtzeitig bremsen, der aus Afrika stammende Mann auf den Gleisen starb bei dem Unfall. Später stellten die Polizeibeamten fest: Der U-Bahn-Fahrer hatte 1,0 Promille Alkohol im Blut.

Das sei aber nicht die Unfallursache gewesen, betonte ein Polizeisprecher am Dienstag. Der 25-Jährige habe nach allem Anschein Selbstmord begehen wollen. Der tödliche Unfall ereignete sich bereits am Sonntagmorgen. Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks hatten die Münchner Verkehrsgesellschaft und die Stadtwerke zunächst versucht, ihn geheim zu halten.

Nach Angaben der Stadtwerke München wurde der U-Bahnfahrer bis auf weiteres vom Fahrdienst suspendiert. Er sei über 30 Jahre „beanstandungsfrei im U-Bahnfahrdienst eingesetzt“ gewesen, sagte Stadtwerke-Sprecher Christian Miehling.

Erste Auswertungen der Videobilder zeigten eindeutig, dass der 25-Jährige zunächst auf dem Bahnsteig stark torkelte, dann unvermittelt vor die U-Bahn ins Gleisbett gefallen und dort regungslos liegen geblieben sei. Angesichts des „erforderlichen Mindestbremsweges eines Schienenfahrzeugs“ wäre es nicht möglich gewesen, den Zug noch rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Dies werde aber gegebenenfalls noch ein Gutachter verifzieren.

Die Aktion „Münchner Fahrgäste“ forderte Konsequenzen nach dem Unfall. „Wir sind sehr bestürzt über diese erneute Meldung eines tödlichen Unfalls im Gleisbett“, wird Andreas Nagel, Sprecher der Aktion, auf der Homepage des Verbands zitiert. Seit langem bereiteten derartige Unglücksfälle dem Fahrgastverband große Sorgen. Eine neue Qualität sei, dass auch der U-Bahnfahrer nicht mehr nüchtern gewesen sein soll. „Auch beim Fahrpersonal scheint Alkohol ein Problem darzustellen. Dem muss ganz entschieden entgegengewirkt werden“, heißt es weiter in der Stellungnahme von „Münchner Fahrgäste“. Zwar sei es unwahrscheinlich, dass ein nüchterner Fahrer den Unfall noch hätte vermeiden können, die Passagiere erwarteten aber jederzeit „die volle Fahrtüchtigkeit des Betriebspersonals“.

Bereits drei Tage später ereignete sich in München der nächste Bahn-Unfall: Am frühen Mittwochmorgen ist ein 21-Jähriger gegen eine fahrende S-Bahn gestürzt und schwer verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, hielt sich der junge Mann mit Freunden an der S-Bahn-Haltestelle Rosenheimer Platz auf, als er plötzlich torkelte und mit dem Rücken gegen einen kurz zuvor angefahrenen S-Bahn-Zug fiel.

Der 21-Jährige geriet mit einem Fuß in den Spalt zwischen S-Bahn und Bahnsteig. Er wurde einige Meter mitgeschleift und stürzte dann zu Boden. Dabei schlug er mit dem Kopf auf dem Bahnsteig auf. Der junge Mann wurde mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht. Warum der junge Mann stürzte, war den Beamten zunächst nicht bekannt.