Esoterik

Der nächste Weltuntergang naht

Auch 2014 prophezeien Esoteriker das Ende der Menschheit – mal Februar, mal März, mal Juni

Starten wir in das Jahr mit einer positiven Prophezeiung: Diesmal müssen wir nicht so lange auf den Weltuntergang warten. Vor zwei Jahren galt es, bis zum 21. Dezember durchzuhalten, um die Apokalypse zu erleben, die der Maya-Kalender versprach. 2013 tauchte Komet Ison Ende November auf, um seine Unglücksbotschaft ans Firmament zu schreiben. In beiden Fällen war das Gruseln umsonst. 2014 soll es rascher gehen. Da ist der Tag des Jüngsten Gerichts bereits der 22. Februar. Ein Erdbeben befreit den Fenriswolf und die Midgardschlange von ihren Fesseln, dann geht es Odin und anderen Göttern in Walhalla an den Kragen. So wird es zumindest auf der Basis der Wikinger-Mythologie im globalen Netz diskutiert.

Der Erforschung des Weltendes hat sich eine ganze „Wissenschafts“-Gattung verschrieben: die „Counterculture“. Sie geht davon aus, dass die gängige Erkenntnisfindung nach Aristoteles nur Symptome freilegt, nicht aber den Kern der Dinge. Der könne nur mithilfe eines „neuplatonischen Ansatzes“ erkannt werden, der bis zum Ursprung allen Seins zurückführt. Nicht wenige schließen daraus, dass wer diesen Weg betrete, von da aus auch in die Zukunft sehen kann. Einer ihrer Säulenheiligen ist Michel de Nostredame (1503–1566), besser bekannt als Nostradamus.

Der Sohn eines Kornhändlers aus Saint-Rémy-de-Provence ging den Weg von der Wissenschaft zur mystischen Welterklärung. Sein Großvater soll ihm Latein, Griechisch, Hebräisch, Mathematik und Astrologie beigebracht haben. Er begann das Studium der Philosophie, später der Medizin. Schon damals kam er mit höheren Mächten in Konflikt. Eine Pestepidemie und später der Kanzler der Universität Montpellier sollen ihm die Doktorprüfung verwehrt haben. Als Apotheker schlug sich Nostradamus hinfort durchs Leben, bis er sich durch die Heirat mit einer wohlhabenden Witwe der Schriftstellerei hingeben konnte.

In Korea soll es losgehen

Der Drahtseilakt zwischen ärmlichem Alltag und transzendentaler Wahrheitssuche schlug sich in prophetischen, französisch verfassten Gedichten nieder. 1555 erschienen in Lyon „Les Prophéties de M. Michel Nostradamus“. Vertreter der Wissenschaft haben darin unter anderem das Fehlen konkreter Zeitangaben und Namen kritisiert, Anhänger der Counterculture lieben sie dafür.

Seit Johann Wolfgang von Goethe den „Faust“ in der Einsamkeit seines Arbeitszimmers monologisieren lässt („und dies geheimnisvolle Buch von Nostradamus’ eigner Hand, ist dir das nicht Geleit genug“), hat es der südfranzösische Apotheker auch hierzulande zu Ansehen gebracht. Viele Jahre hat zum Beispiel Manfred Dimde der Erforschung von Nostradamus’ Prophezeiungen gewidmet. Auch für das Jahr 2014 hat er die dunklen Zeilen gedeutet.

Dimde will nach langen Forschungen herausgefunden haben, dass einige der Texte nicht der richtigen Zeitzuordnung entsprachen. Diese „zeitliche Unschärfe“ habe dafür gesorgt, dass einige der von Nostradamus für bestimmte Jahre beschriebenen Ereignisse erst zwei bis drei Jahre später eingetreten sind, was mit den ungenauen Tabellen der Planetenumläufe erklärt werden kann, die dem Autor seinerzeit vorlagen. Für 2014 kann Dimde endlich eine chronologische „Feinjustierung“ vornehmen.

Die Weltkrise, die eigentlich für das Jahr 2009 geweissagt worden war, brach erst 2013 aus. Auf der Koreanischen Halbinsel. „Die Schweineschnauze wird machen solch Schlimmes“, dieser Vers, da ist sich Dimde ganz sicher, bezieht sich auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un und das abgelaufene Jahr und bietet damit das ersehnte Fixdatum, um die folgenden Prophezeiungen nachzujustieren. Kein Zweifel, so Dimde, 2014 komme einiges auf uns zu.

Sein persönliches Gutachten für Angela Merkel lässt zumindest hoffen: „Es ist ein Regierungsjahr, in dem Ihr Euch mehr auf das Verwalten Eures Reiches konzentrieren solltet.“ Und: „Ein Jahr, in dem Euer Volk gleichmütig auf das kleine Glück durch Euch wartet.“ Die Meinungsforscher von Allensbach hätten es kaum treffender ausdrücken können.

Andere Nostradamus-Deuter sind da weniger optimistisch. Vor allem in den USA macht man sich erhebliche Gedanken über den 4. März. Da könnte es an den Börsen zu Erschütterungen von ungeahnten Ausmaßen kommen, heißt es. In Deutschland ist man sich da nicht so sicher, schließlich handelt es sich um Faschingsdienstag. Doch auch jene, die statt auf Counterculture lieber auf die traditionellen Wissenschaften setzen, kommen 2014 auf ihre Kosten: Im Juni ist es so weit. Dann wird eine gigantische kosmische Säurewolke die Erde zerstören, behauptet zumindest der Astrophysiker Albert Sherwinski, der in Cambridge arbeiten soll.

Dieser Weltuntergang halte zudem eine wissenschaftliche Sensation parat, würden doch „einige scharfe Ideen der theoretischen Physik bestätigt“. Wem weniger daran liegt, der sollte es vielleicht mit einem Blick in die Sibyllinischen Bücher versuchen, einer Sammlung von griechisch-römischen Orakelsprüchen. Oder mit dem Zählen von Schafen beginnen. Dann schläft man wenigstens besser ein.