Gebäudeprüfung

„Esso-Häuser“ nicht mehr bewohnbar

Gebäude an der Reeperbahn in Hamburg sind einsturzgefährdet

Jetzt ist es amtlich: Die einsturzgefährdeten Hamburger „Esso-Häuser“ können nicht mehr bewohnt werden. Daher hat das Bezirksamt Mitte am Dienstag an die Hamburger Wohnungswirtschaft und Eigentümer appelliert, so viele Ersatzwohnungen wie möglich anzubieten. Anfang des neuen Jahres sollen die rund 100 Mieter zügig in alternativen Quartieren untergebracht werden, wie ein Sprecher des Amtes sagte.

Bei einer Gebäudeprüfung am Montag waren in der Tiefgarage neue Haarrisse sowie Betonstaub entdeckt worden. Das seien Indizien für eine jüngste Bewegung. Spekulationen, ob laute Musik aus umliegenden Clubs und vom Spielbudenplatz dafür Auslöser war, ließen sich nicht verifizieren, ergänzte der Sprecher.

Nach Anordnung des Bezirksamtes sind die Häuser direkt an einer Esso-Tankstelle bei der Reeperbahn gesperrt. Sie waren in der Nacht zu Sonntag evakuiert worden. Bewohner hatten von wackelnden Wänden berichtet. Die rund 100 Mieter sind zunächst bei Verwandten, Freunden oder in Hotels untergekommen.

Der Antrag für eine Abbruchgenehmigung, gestellt vom Eigentümer Bayerische Hausbau, wird derzeit im Bezirksamt geprüft. Ist sie erteilt, könnte nach Sicherung und Vorbereitung der geplanten Baustelle mit den Abrissarbeiten – vermutlich noch im ersten Quartal 2014 – begonnen werden. Geplant ist seit Längerem, dass die Häuser 2014 abgerissen werden und einem Neubau auf dem Gelände weichen.

Die Bayerische Hausbau hatte die beiden Wohnhäuser und den davor liegenden Gewerberiegel mit Hotel, Musikclub und Läden im Jahr 2009 gekauft. Schon damals galt der in den 60er-Jahren gebaute Komplex als marode, inzwischen bescheinigen Gutachter, dass der „Zustand von nahezu 100 Prozent der Bauteile“ kritisch ist.

Die bayerische Firma will auf dem Grundstück 240 neue Wohnungen bauen und hat allen Mietern ein Rückkehrrecht eingeräumt. Noch aber gibt es harte Verhandlungen um den Neubau mit dem Bezirk Mitte. Dieser fordert einen Anteil von 50 Prozent Sozialwohnungen. Die Bayern bieten die in Hamburg übliche Drittellösung an, etwas anderes sei „wirtschaftlich nicht darstellbar“.

Gegen Luxussanierungen in traditionsreichen Hamburger Wohnvierteln gab es bereits in der Vergangenheit Proteste. Für den kommenden Sonnabend haben Linksalternative zu einer Demonstration aufgerufen, bei der sie sich auch für die „Esso-Häuser“ sowie für das Kulturzentrum Rote Flora einsetzen wollen. Die Polizei erwartet mehr als 6000 Teilnehmer, von denen die Hälfte der linksautonomen Szene zugerechnet wird. 1500von ihnen gelten als gewaltbereit. „Diese Demonstration wird für die Hamburger Polizei eine Herausforderung“, sagte ein Polizeisprecher. Mehr als 2000 Beamte sind im Einsatz. „Das wird wohl der größte Einsatz in diesem Jahr werden.“ Die Hamburger Polizei hat zur Unterstützung Kräfte aus anderen Bundesländern angefordert, etwa aus Niedersachsen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg.