Vorhersage

Weihnachten wird nass und stürmisch

Wetterexperten warnen: Ein Orkan ist an den Feiertagen wahrscheinlicher als Schnee. Die Temperaturen klettern bis auf 13 Grad

Wieder nichts mit weißer Weihnacht: Die meisten Meteorologen wollen sich zwar noch nicht auf eine definitive Weihnachtsprognose festnageln lassen, aber dass es keinen Schnee geben wird, zeichnet sich offenbar jetzt schon ab. Stattdessen könnte es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) draußen sehr ungemütlich werden: Die Meteorologen rechnen für die Weihnachtsfeiertage mit Niederschlägen und stürmischem Wind. Immerhin: Dafür soll es bei fünf bis zehn Grad eher mild werden.

Schneefälle außerhalb der Gebirge sind bei solchen Temperaturen nicht zu erwarten. Wetterexperten wie Petra Gebauer vom Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin hatten Schnee zu Weihnachten bereits vor einigen Tagen für unwahrscheinlich erklärt.

Die Wahrscheinlichkeit für eine andere Wetterkonstellation, für die jedes Jahr herbeigesehnten weißen Weihnachten also, war in Deutschland allerings schon immer eher gering und sehr ungleich verteilt. Als Faustregel gilt seit jeher: Je weiter im Süden und Osten der Bundesrepublik, desto größer sind die Chancen für eine geschlossene Schneedecke. Diese Regionen sind weiter entfernt vom ausgleichenden Einfluss des Atlantiks.

Auch wenn weiße Weihnachten in Deutschland eher selten sind, ist der letzte Schnee zum Fest dennoch gar nicht so lange her. Dominik Jung, Meteorologe von wetter.net, sagt: „Weihnachten 2010 war das weißeste Weihnachten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.“ In ganz Deutschland habe an allen Tagen Schnee gelegen, „und das teilweise in Rekordmenge“. So lagen zum Beispiel in Aachen im äußersten Westen, wo die Schneewahrscheinlichkeit, von Helgoland abgesehen, am geringsten ist, 40 Zentimeter Schnee. Ein Trend zu weniger weißen Weihnachten ist laut Andreas Friedrich vom DWD in den letzten Jahrzehnten nicht feststellbar.

Der DWD bezeichnet die Weihnachtstage folgender zurückliegender Jahre für ganz Deutschland als „überwiegend weiß“: 1963, 1969, 1970, 1981, 1986, 2010.

Dominik Jung erstellte eine Liste von „weißen Weihnachten“ in deutschen Städten aus den vergangenen fünf Dekaden. In Berlin beispielsweise waren es die Jahre 1961, 1963, 1968, 1969, 1981, 1986, 2000 und 2010.

Für das kommende Weihnachtsfest sieht Jung die Chancen auf weiße Weihnachten sinken. „Aus heutiger Sicht bleibt es aber wohl nicht nur bei der milden Luft. Wir erwarten über die Feiertage sogar ein Sturmtief und stellenweise jede Menge Regen. Inwiefern diese Entwicklung sogar gefährlich werden könnte, gilt es derzeit noch abzuwarten“, erklärt der Meteorologe vorsichtig. Ein Weihnachtsorkan sei wahrscheinlicher als weiße Weihnachten. Jungs Prognose für den Wettertrend an den Festtagen: Heiligabend dürften die Temperaturen zwischen vier und elf Grad liegen, aus Westen werden die Wolken zahlreicher, und es setzt Regen ein. Zum Abend frischt der Wind auf, in der Nacht zum ersten Weihnachtstag könnten Sturmböen bis ins Flachland aufkommen.

Dicke Regenwolken im ganzen Land

Am ersten Weihnachtstag selbst bleibt es laut Jung bei fünf bis zehn Grad weiterhin sehr stürmisch, auch in tiefen Lagen erwartet er Sturmböen, womöglich sogar schwere. In den Hochlagen könnten sie orkanartig wehen, bei zum Teil starkem Regen. Am zweiten Weihnachtstag wird es mit fünf bis 13 Grad noch etwas milder, über dem ganzen Land sind dicke Regenwolken unterwegs, der Wind ist weiterhin lebhaft bis stürmisch.

Ganz anders sieht es derzeit im Nahen Osten aus. Dort bricht kalte sibirische Luft über die Türkei bis nach Syrien, Zypern, Libanon und Israel vor – sogar in Ägypten fiel Schnee. Die Behörden sprechen vom stärksten Wintereinbruch seit Jahrzehnten. In Israel sind zahlreiche Straßen unpassierbar, der Flugverkehr ist eingeschränkt.

Auch in Skandinavien, Russland, Weißrussland und in der Ukraine liegt Schnee. All diese Regionen stehen unter dem Einfluss eines Hochdruckgebietes über West- und Mitteleuropa, das auf seiner Nord- und der Ostseite arktische Luft herantransportiert. Auf der anderen Seite des Hochs, in Deutschland, dominiert der Einfluss von milder Meeresluft.