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Prinz Harry ist jetzt Teamplayer

Das Terrain ist schwierig, die Teilnehmer erschöpft: Darum wurde aus dem Rennen quer durch die Antarktis nun doch ein gemeinsamer Zug

Das große Abenteuer Antarktis geht für Prinz Harry weiter. Allerdings unter veränderten Bedingungen. Ed Parker, der Leiter der gemeinnützigen Expedition „Walking with the Wounded“ (sie sammeln Spenden für die Versorgung von im Krieg verletzten Soldaten) hat das Rennen zum Südpol von drei Teams aus den USA, dem Commonwealth und Großbritannien unterbrochen und neue Regeln ausgerufen.

Erschöpfung und mehr Stress als angenommen haben Ed Parker dazu bewogen, auf den Rat des begleitenden Arztes zu hören und die Unternehmung unter neuen, schonenden Bedingungen fortzusetzen. In jeder der drei siebenköpfigen Gruppen befinden sich vier kriegsversehrte Teilnehmer, darunter drei Frauen. Ursprünglich sollten die Teams als Gegner miteinander konkurrieren, sich also ein Rennen zum magnetischen Südpol liefern. Den hofften alle drei Teams bis zum 16. Dezember erreicht zu haben.

Aber die Rechnung ist ohne das harte Terrain gemacht worden, mit seinen eisigen, spitzen Erhebungen von bis zu einem Meter, über die jeder Einzelne seinen Schlitten mit 70 Kilo Gewicht ziehen muss, bei Durchschnittstemperaturen von minus 35 Grad. Die Wettläufer sind nicht die Ersten, denen das eisige Plateau in der östlichen Antarktis zu schaffen macht. Arved Fuchs und Reinhold Messner mussten es auch überwinden bei ihrer Durchquerung des Südkontinents vor 14 Jahren. Die Meereshöhe des Eispanzers beträgt im Schnitt 3000 Meter, und es gilt, eine Reihe von Bergen zu passieren, bevor der Südpol auf 2800 Meter Höhe erreicht ist.

Für Untrainierte kann die Luft dort schon mal dünn werden, was sich bei anstrengenden Bergetappen besonders bemerkbar macht. Die Höhenlage sorgt in dieser Region auch für besonders scharfe Winde, im Südwinter herrschen hier die tiefsten Temperaturen der Erde. Dabei ist die Expedition nur schwer mit den legendären Märschen aus der frühen Entdeckerzeit zu vergleichen, nicht nur aufgrund der modernen Ausrüstung. Die Route von „Walking with the Wounded“ hat von ihnen keiner eingeschlagen.

Amundsen und Scott starteten von der gegenüberliegenden Küste, weil die Wegstrecke von dort zum Pol mit etwa 1300 Kilometern erheblich kürzer ist als von der Ostküste, die weit über 2000 Kilometer vom Pol entfernt ist. Allerdings: Die Mannschaften von Prinz Harry, „Captain Wales“ laut militärischem Rang, und seinen Konkurrenten ließen sich zu ihrem Abmarschpunkt bis auf 335 Kilometer an den Pol heranfliegen, nicht weit entfernt vom „Pol der Unzugänglichkeit“, dem am weitesten von den Küsten entfernten Punkt der Antarktis.

Tückische Tage

Auf der Website des Unternehmens hat Ed Parker begründet, warum er den Wettrennen-Aspekt jetzt abgeblasen hat. „Wir hatten einige tückische Tage hinter uns, bei gutem Wetter, aber schwierigem Terrain, schwieriger als vorhergesehen. Meine Entscheidung habe ich allein aus Gründen der Sicherheit getroffen. Wie ich mir die drei Teams so anschaue – nun, sie geben ihr Bestes, aber sind doch sehr, sehr müde. Der Arzt und ich glauben, wir haben alle ein wenig zu sehr vorangetrieben, daher habe ich dem Unternehmen jetzt seinen Wettrennen-Charakter genommen.“

Stattdessen werden jetzt alle 21 Teilnehmer als eine Großgruppe zusammenbleiben und an den zweiten der vorgesehenen Checkpoints herangefahren werden. Von dort sind es dann nur noch 112 Kilometer (70 Meilen) bis zum Südpol, den man gemeinsam Ende dieser Woche zu erreichen hofft.

Die harten Konditionen des Terrains haben sogar erfahrenen Führern, die jeweils die drei Gruppen begleiten, einen Streich gespielt. So musste in Prinz Harrys Team Eric Philips, der sich seit 25 Jahren in Polarlandschaften auskennt, aufgeben, weil er Atembeschwerden bekam: Wasser war in seine Lungen eingedrungen, er fühlte sich „schrecklich“, rang nach Luft. Ein anderer von Harry Begleitern, Sergeant Duncan Slater, gab zu: „Die Leute leiden ziemlich. Die meisten von ihnen haben diesen schrecklichen trockenen Husten, eine Folge der Wetterbedingungen.“

Prinz Harry selber gab sich lakonisch. Captain Wales erinnerte daran, dass sein Vater, Prinz Charles, dem Ganzen mit recht gemischten Gefühlen gegenüber getreten war. „Ich hatte ihn aber beruhigt und ihm versichert, es sei gar nichts im Vergleich zu den Gefahren am Nordpol, wo man über gefrorenem Ozean wandere. Am Südpol, na gut, da gibt es Gletscherspalten, aber unsere Führer werden uns schon an denen vorbei lenken. Außer Frostbeulen und Ähnlichem dürfte eigentlich jeder mit allem schon fertig werden.“ Dem Prinzen scheint bisher die Trennung von seiner Freundin Cressida Bonas die meisten Schmerzen bereitet zu haben, wenn man Zeitungsberichten glauben darf. Auf seinem Satellitentelefon steht er ständig mit ihr in Verbindung, mit fünf Pfund (6,60 Euro) Gebühren pro Minute, wie es heißt. „Sie vermissen sich beide schrecklich“, wie die „Daily Mail“ erfahren haben will. Aber was tut man nicht alles für den guten Zweck.