Wenn ein Millionengewinn nur noch 542.000 Euro wert ist

Bei einigen Fernsehshows geht der Fiskus als Sieger hervor

Nur etwa zur Hälfte werde die Million in die Tasche des Gewinners wandern. Der Rest steht nach Beurteilung des Deutschen Steuerberaterverbandes dem Finanzamt zu. Verbandssprecher Wolfgang Wawro sagte: „Wenn sich Teilnehmer in einer Fernsehshow durch ihr Auftreten und Talent präsentieren, ist das nicht als steuerfreies Glücksspiel zu sehen.“

Der Showsieger müsse sein Einkommen nach dem Spitzensteuersatz von 45 Prozent versteuern – ihm würden höchstens 542.000 Euro übrig bleiben. Ein Sprecher der beiden Fernsehsender entgegnete: „ProSieben und Sat.1 machen eine große Show. Das für den Sieger zuständige Finanzamt wird wissen, wie der Gewinn von einer Million Euro zu versteuern ist.“ Die neue Show startet am 9. Januar 2014 auf ProSieben.

Quizshows wie „Wer wird Millionär?“ bei RTL gelten als steuerfreies Glücksspiel, erläuterte Wawro. Der Grund ist, dass sich die Kandidaten nicht auf die breit gefächerten Fragen vorbereiten können und ihr Erfolg von der Tagesform abhängt.

Bei der „Millionärswahl – Demokratisch reich werden“ sehe die Lage anders aus, hier wird per Wahl bestimmt, wer Millionär werden soll. Wawro prognostiziert: „Über den Daumen müsste der Sieger ungefähr 50 Prozent seiner Million, etwa 458.000 Euro, an das Finanzamt abgeben.“ Grund ist die Reichensteuer, die ab einem Einkommen von 250.731 Euro gilt. Auch Wohltäter aus der Castingshow könnten eine größere Spende nicht einfach steuerfrei absetzen, teilte der Verband mit. Dies sei nur bis zu einer Grenze von 20 Prozent des Jahreseinkommens zulässig. Einer steuerfreien Spende von 200.000 Euro stünden so Steuern von etwa 363.000 Euro entgegen, erläuterte Wawro. „Wer, ohne sich zu erkundigen, einen Spendenscheck von einer Million Euro einreicht, könnte schnell mit Hunderttausenden im Minus stehen.“

Reines Glück gebe es nur beim Lotto-Spielen oder in Quizshows. Die Leistung der Kandidaten bei der „Millionärswahl“ sei dagegen wie eine Art Arbeit einzuschätzen – und somit einkommensteuerpflichtig. „Einen Einspruch beim Finanzamt würde ich eher kritisch betrachten“, sagte Wawro.

Mit ähnlichen Fällen von Fernsehgewinnen hatte sich bereits der Bundesfinanzhof befasst. Zur Rechtslage bei der „Millionärswahl“ wollte sich das oberste Gericht für Steuer- und Zollsachen nicht äußern.