Unglück

„Es hat sich angefühlt wie ein Erdbeben“

Die Explosion einer Ölpipeline verwüstet chinesische Hafenstadt Qingdao – 47 Tote

Einen Tag nach der schweren Explosion einer Ölpipeline in Ostchina ist die Zahl der Toten am Sonnabend auf mindestens 47 gestiegen. 166 Menschen seien zudem verletzt worden, berichteten die Medien unter Berufung auf die Behörden. Das Unglück ereignete sich am Freitag in der Hafenstadt Qingdao nahe einem Chemiewerk im Stadtbezirk Huangdao.

Aus Rissen in der unterirdischen Pipeline war Öl ausgetreten und unter anderem in die Kanalisation geflossen. Wegen eines Brandes war das gefährliche Gemisch schließlich explodiert. Die Wucht riss über Hunderte Meter die Erde und Straßen in angrenzenden Wohnbezirken auf. Das Ölleck löste mindestens eine weitere Detonation aus. Dutzende Autos und Motorräder wurden durch die Luft geschleudert. Der Explosionsdruck beschädigte Häuser und stürzte Bäume um. Hunderte Feuerwehrleute und andere Rettungskräfte waren im Einsatz. Etwa 18.000 Menschen wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht. Wasser, Gas und Strom sind in dem betroffenen Gebiet abgeschaltet worden. Nach der Katastrophe wurden an die Anwohner 2000 Kerzen verteilt.

Das Unglück begann, als am Freitagmorgen zunächst Risse und ein Leck in der Pipeline entdeckt worden waren, wie die Stadtregierung berichtete. Aus dem Leck floss nach Angaben der Stadtverwaltung 15 Minuten lang Öl auf eine Straße und ins Meer. Einsatzkräfte hätten umgehend den Ölfluss in der Leitung gestoppt und zunächst Reparaturen begonnen. Stunden später sei das Öl bei Aufräumarbeiten in Brand geraten, und es habe an zwei Stellen Explosionen gegeben. „Es hat sich wie ein Erdbeben angefühlt“, zitierte die Zeitung „Xin Jing Bao“ einen Augenzeugen. Doch es war schon viel Öl über die Kanalisation auch in die Bucht von Jiaozhou geflossen. Nach Angaben der Stadtverwaltung entstand auf dem Meer ein großer Ölteppich. Dort habe es ebenfalls ein Feuer und mindestens eine Explosion gegeben, berichtete die Staatsagentur Xinhua. Das Öl habe ein Meeresgebiet von rund 3000 Quadratmetern verseucht.

Die 176 Kilometer lange Pipeline zwischen den Städten Qingdao und Weifang war erst im August in Betrieb genommen worden und gehört dem größten chinesischen Mineralölkonzern Sinopec. Das Unternehmen entschuldigte sich für das Unglück. Sinopec werde die Ursachen dafür mit staatlichen Behörden aufklären, sagte der Vorsitzende Fu Chengyu. Die Behörden hatten einen terroristischen Hintergrund zuvor bereits ausgeschlossen.

Es war der zweite schlimme Industrieunfall in China in diesem Jahr. Bei einem Brand in einer Hähnchenfabrik in Jilin im Nordosten des Landes waren im Juni 121 Menschen gestorben.