Zyklon

„Cleopatra“ überschwemmt Sardinien

Mindestens 18 Menschen sterben in den Wassermassen. Tausende evakuiert

Sturzbäche auf den Straßen, überflutete Häuser, eingestürzte Brücken, Sardinien versinkt im Schlamm: Der Zyklon „Cleopatra“ versetzte die Insel im Mittelmeer in der Nacht zum Dienstag in den Ausnahmezustand. Der Präsident der Region Sardinien, Ugo Cappellacci, sprach von einem „Jahrtausendhochwasser“ und bezifferte die Zahl der Toten auf 18. Mehr als 2700 Menschen wurden evakuiert. Der Flughafen von Olbia wurde kurzzeitig gesperrt, ebenso mehrere Überlandstraßen. Der Strom fiel in mehreren Gemeinden aus, einige Ortschaften waren komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die Rettungskräfte rückten in der Nacht mehr als 600 Mal aus.

„Cleopatra“ ist eines der schlimmsten Unwetter der Geschichte Sardiniens. Laut dem Leiter des Zivilschutzes, Franco Gabrielli, ging in 24 Stunden so viel Regen wie sonst in sechs Monaten nieder. Der Landwirtschaftsverband berichtet, in 306 von 377 sardischen Gemeinden bestehe das Risiko von Schlammlawinen und Überschwemmungen. Tausende flüchteten und brachten sich in Sicherheit. Sie übernachteten in Hotels und Herbergen, die von den Städten zur Verfügung gestellt wurden. Schulen blieben geschlossen.

„Das ist eine nationale Tragödie“, sagte Italiens Ministerpräsident Enrico Letta. Er rief den Notstand aus, das Kabinett beschloss in einer Sondersitzung 25 Millionen Euro Hilfe für die Sardinier. Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, rief in Straßburg zu einer Gedenkminute auf.

Besonders dramatisch ist die Situation im Nordosten Sardiniens. Ein großer Teil der rund 55.000 Einwohner zählenden Stadt Olbia stand unter Wasser. Teilweise fiel der Strom aus. Der Flughafen der Stadt war vorübergehend gesperrt worden.

Herzzerreißende Geschichten dringen an die Öffentlichkeit. „Wir hatten weder Licht noch Telefon. Wir wussten gar nicht, was geschieht“, sagte eine Frau aus Olbia. „Dann haben wir auf einmal eine gewaltige Welle auf uns zukommen sehen. Sie sah so aus, als ob der Ozean auf uns zukommen würde. Das Wasser schob unsere Autos beiseite. Gott sei Dank konnten wir uns in die oberen Etagen unseres Hauses retten.“

Wolkenbruchartige Regenfälle erreichten am Dienstag auch Kalabrien. Es kam zu Erdrutschen und Überschwemmungen. Die Unwetter dürften weiterziehen und die Region Latium erreichen. Der Schiffsverkehr auf die Insel Ischia wurde wegen starker Böen im Golf von Neapel teilweise ausgesetzt.