Kanada

Toronto entmachtet Bürgermeister nach Drogenaffäre

Nach seinem Drogengeständnis bleibt Torontos Skandal-Bürgermeister Rob Ford zwar vorerst im Amt, verliert aber die meisten seiner Machtbefugnisse. Der Stadtrat von Kanadas größter Stadt beschloss in einer tumultartigen Sitzung, die Befugnisse auf Vizebürgermeister Norm Kelly zu übertragen. Ford sorgt seit Wochen mit dem Eingeständnis, Crack geraucht zu haben, und mit alkoholbedingten Ausfällen für Negativschlagzeilen.

Die Aberkennung der Machtbefugnisse diene dazu, „das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung von Toronto wiederherzustellen“, erklärte Fords Stellvertreter Kelly. Ford darf weiter den Titel des Bürgermeisters tragen, aber beispielsweise nicht mehr dem Stadtrat vorsitzen und die Tagesordnung festlegen. Zudem verliert er einen Teil seines Personals, das nun für Kelly arbeitet. Der Beschluss gilt bis zu den Neuwahlen im November 2014. Der Stadtrat hatte Fords Befugnisse bereits vergangene Woche beschnitten. Auch für seine weitere Entmachtung stimmte nun eine breite Mehrheit.

Ford hatte nach hartnäckigem Leugnen gestanden, das Kokainderivat Crack geraucht und jahrelang illegale Drogen gekauft zu haben. Außerdem entschuldigte er sich für wiederholte Ausfälle unter Alkoholeinfluss. Zuletzt vorgebrachte Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs wies er in unverblümter Sprache zurück.

Auch gegen seine weitgehende Entmachtung durch den Stadtrat stemmte sich der Skandal-Bürgermeister. „Das wird ein offener Krieg werden“, drohte Ford. Zum Vorgehen des Stadtrats sagte er: „Sie haben soeben Kuwait angegriffen.“ 1990 hatte sich eine internationale Koalition unter Federführung der USA gebildet, um Kuwait vom Irak zu befreien. Dem TV-Sender Fox sagte Ford, er werde nicht zurücktreten, im Gegenteil: Er wolle eines Tages Premierminister von Kanada werden.

Die Bürger von Toronto zeigen sich gespalten. Zwar protestieren viele öffentlich gegen Ford, aber auch seine Unterstützer melden sich lautstark zu Wort. Gerade arme Wähler schätzen Ford nach wie vor. Experten trauen ihm durchaus einen Sieg bei der Wahl im kommenden Oktober zu.