England

Prozess gegen Londoner Beil-Mörder

Die beiden Islamisten hatten einen 25 Jahre alten Soldaten brutal getötet

Vor dem zentralen Londoner Kriminalgericht hat der Prozess gegen die mutmasslichen Terror-Mörder von Woolwich begonnen. Zwei junge Briten nigerianischer Herkunft sind angeklagt, im Mai den unbewaffneten Soldaten Lee Rigby niedergestochen zu haben. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Rechtsextreme gegen die „Kapitulation vor militantem Islam”.

Rigby, 25, befand sich am Nachmittag des 22. Mai auf dem Rückweg vom Tower of London nach Woolwich. Wenige Meter von seiner Kaserne entfernt fuhren zwei muslimische Fanatiker den jungen Soldaten mit einem Auto an und stachen mit Messern auf ihn ein. Anschließend riefen die Beiden islamistische Hassparolen in die Kameras von Schaulustigen, ehe ein Spezialkommando der Polizei sie festnahm. Im Prozess dürfte unstrittig sein, dass Michael Adebolajo, 28, und Michael Adebowale, 22, für Rigbys Tod verantwortlich sind. Schließlich gibt es neben vielen Zeugen auch Dokumente, in denen sie sich ihrer Tat rühmen. Zudem haben die beiden ihre mörderische Ideologie bekräftigt – sie bedienen sich mittlerweile der Kampfnamen Mudschahid Abu Hamza und Ismail Ibn Abdullah. Zur Debatte steht vielmehr die strafrechtliche Bewertung der Vorgänge – und die Frage, was der Mord an dem Soldaten über die Terrorbedrohung Großbritanniens sagt.

Der Inlandsgeheimdienst MI5 hat erst kürzlich wieder vor islamistischem Terror auf der Insel gewarnt. Demnach besteht ein „beträchtliches“ Risiko von Anschlägen. Derzeit lebten „mehrere Tausend“ Dschihadisten auf der Insel.

Der Mord von Woolwich könnte also den MI5-Leuten, ebenso wie ihren Schwesterorganisationen MI6 und GCHQ, Munition liefern für ihre Forderung nach weitergehenden Zuständigkeiten. Für die Terror-Bekämpfer vom MI5 könnte der Prozess statt bequemen Argumenten aber auch viel Peinliches zu Tage fördern. Schließlich hatten die beiden mutmaßlichen Mörder bereits unter Beobachtung gestanden. Adebolajo war dem MI5 seit Jahren bekannt, weil er sich im Umfeld der mittlerweile verbotenen Extremistenorganisation Al-Muhajiroun herumtrieb. Einem befreundeten Extremisten zufolge wollten die Schlapphüte den großgewachsenen Mann als V-Mann anwerben. 2010 geriet er in Kenia in Polizeihaft wegen des Verdachts, er habe der al-Quaida in Somalia helfen wollten. Nach Großbritannien zurückgekehrt, konnte er mit seinem Gesinnungsgenossen Adebolawe neue Pläne schmieden.

Die Panne von Woolwich weckt Erinnerungen an den bisher schlimmsten islamistischen Terror-Anschlag, bei dem 2005 52 Londoner U-Bahn- und Buspassagiere getötet wurden. Für die Angehörigen von Lee Rigby geht es während dem Verfahren vor allem um Gerechtigkeit für den Vater eines zwei Jahre alten Sohnes. Zur Beerdigung Rigbys waren Premierminister James Cameron sowie der Londoner Bürgermeister Boris Johnson gekommen.