Papageien-Streit

Posse, Plage, Papageien

Auf der Düsseldorfer Luxusmeile Kö machen sich Tausende Sittiche aus Afrika breit

Auf einer urigen Brücke über dem Kö-Graben sieht man sie kommen, von links, von rechts, von vorne und hinten. Von allen Seiten fliegen sie herbei: grüne Papageien, genauer gesagt Halsbandsittiche. Sie landen ganz oben in den mächtigen Platanen rechts und links des Wassergrabens.

Menschen in Anzügen, Pelzmänteln und solche in Jeans und Chucks machen halt und legen ihre Köpfe in den Nacken. Wäre es nicht so kalt, und sähe man nicht nebenan die Luxusboutiquen, man könnte sich glatt in Indien oder Afrika wähnen. Da kommen die Vögel nämlich her. Als der Himmel schwarz ist und nur noch die Laternen Licht spenden, sind es mehr als tausend Papageien, die in den Bäumen sitzen und laut fiepen.

Für die einen ist das, was Abend für Abend auf der Düsseldorfer Königsallee passiert, ein großartiges Naturschauspiel, für die anderen ein Ärgernis. Dass eine riesige Gruppe Papageien ausgerechnet Deutschlands bekannteste und teuerste Flaniermeile als ihr Zuhause betrachtet und täglich aus einem Umkreis von 25 Kilometern hierher einfliegt, hat einen bizarren Streit ausgelöst.

Wenn man eine stadtweite Umfrage durchführen würde, würde die große Mehrheit sagen: Ist doch schön mit den Papageien. Die Papageien sind einfach da, und zwar schon sehr lange. Vor 20 Jahren wurden ein paar der in Indien geborenen Tiere im Rheinland ausgesetzt. Auch Düsseldorfs Gartenamts-Chef Tobias Krause will weiterhin nichts gegen die Tiere unternehmen. Aber es gibt eben einige Männer und Frauen, die auf der Kö ihr Geld verdienen, und sie glauben, dass das schwieriger wird, wenn das mit den Vögeln so weitergeht. Sie fühlen sich durch den Papageienkot und das Geschrei in ihrer Existenz bedroht. Für viele bestätigen sie das Klischee von der Schickimicki-Stadt Düsseldorf.

Karl-Heinz Eiffler ist der Anführer der Anti-Papageien-Bewegung. Er sagt, er habe nichts gegen die Vögel an sich, allerdings mit ihrer Anzahl „und ihren Hinterlassenschaften“. Eiffler ist Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Königsallee, er redet nicht um den heißen Brei herum: „Morgens, nach dem Aufwachen, scheißen die alles voll. Die Königsallee ist eine Flaniermeile, sie macht Eindruck. Wenn aber alles vollgeschissen ist, nimmt die Attraktivität ab.“

Eiffler sorgt sich um verärgerte Kö-Besucher, die im Anzug auf einer Bank sitzend eine Ladung von oben abbekommen. Man mag sich nun gar nicht vorstellen, wie verärgert jemand wäre, der Pelz trägt und von Vogelkot getroffen wird. Eiffler und seine Mitstreiter haben die Stadtverwaltung für diesen Ärger sensibilisiert. Und die hat umgehend reagiert. Zehn Sitzbänke wurden abgebaut. Jetzt fällt der Vogelkot direkt auf den Asphalt, Passanten sind nur noch gehend, aber nicht mehr sitzend gefährdet.