Urteil

Lange Haftstrafe für Erpressung von Lotto-Millionär

Weil er einen Lotto-Millionär mit der Androhung von Gewalt um gut 400.000 Euro erpresst hat, muss ein Kickboxer hinter Gitter. Das Landgericht Göttingen verurteilte den 30-jährigen früheren Teilnehmer der „Big Brother“-Show wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung zu fünf Jahren und neun Monaten Haft. Sein mitangeklagter Komplize erhielt ein Jahr und neun Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung wegen Beihilfe. Das Gericht folgte weitestgehend dem Antrag des Staatsanwalts. Die Verteidigung verlangte Freispruch und kündigte Revision an. Staatsanwalt und Verteidiger waren zu völlig konträren Schlussfolgerungen gekommen. Der Anklagevertreter sah eine „erdrückende Beweislage“, die Anwälte sahen dagegen die Unschuld ihrer Mandanten als erwiesen an, weil es Alibis für die Tatzeit gebe.

„Ein leichtes Opfer“

Das Gericht war jedoch nicht überzeugt. Die Zeugen, die dem Hauptangeklagten für den Tag der Erpressung im Oktober 2011 ein Alibi gaben, seien wenig verlässlich, so der Richter. Die Kammer hält es für erwiesen, dass der vorbestrafte Kickboxer den Lotto-Millionär planmäßig erpresst hat. Der Mann aus dem südniedersächsischen Eichsfeld, der 1,7 Millionen Euro gewonnen hatte, sei dabei „ein leichtes Opfer gewesen“.

Der Kickboxer hatte von dem Gewinn erfahren und wollte Geld für ein geplantes Projekt zur Resozialisierung straffällig gewordener Jugendlicher. Als der Lotto-König dies ablehnte, drohte der Kickboxer ihm unter Mithilfe des zweiten Angeklagten mit Gewalt. Er habe dann aus Angst nach und nach 425.000 Euro gezahlt, hatte der Lotto-Gewinner vor Gericht ausgesagt. Nach der Festnahme hatte der Mitangeklagte bei der Polizei die Taten zugegeben, dann aber behauptet, die Beamten hätten ihm das Geständnis abgepresst. Die Richter werteten das als Lüge. Gegen den Kickboxer liegen noch acht weitere Anklagen vor, unter anderem wegen Versicherungsbetrug durch fingierte Autounfälle.